Jugendämter in MV:

Tausend Kinder aus Familien geholt

Im Schnitt werden jedes Jahr tausend gefährdete Kinder in MV von den Jugendämtern aus Familien geholt. Diese Zahlen könnten nun steigen: Auch minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung werden in Obhut genommen. 

Mecklenburg-Vorpommerns Jugendämter nehmen jedes Jahr etwa eintausend gefährdete Kinder und Jugendliche bei akuten Krisen in Obhut.
Boris Roessler Mecklenburg-Vorpommerns Jugendämter nehmen jedes Jahr etwa eintausend gefährdete Kinder und Jugendliche bei akuten Krisen in Obhut.

Mecklenburg-Vorpommerns Jugendämter holen jedes Jahr etwa eintausend gefährdete Kinder und Jugendliche aus ihren Familien und nehmen sie in Obhut. In vier von zehn Fällen spielt Überforderung der Eltern bei der Versorgung und Erziehung des Nachwuchses eine entscheidende Rolle, wie das Statistische Amt mitteilte. Weitere Gründe für die Unterbringung von Minderjährigen außerhalb ihres Zuhause seien Beziehungsprobleme in den Familien, Vernachlässigung oder auch Straftaten. Bei knapp zehn Prozent aller Fälle habe es Anzeichen von Kindesmisshandlungen oder von sexuellem Missbrauch gegeben, hieß es.

Mädchen etwas häufiger betroffen

Die Zahlen insgesamt im Land sanken seit 2011 leicht von 1062 auf 994 Inobhutnahmen im Jahr 2013. Für 2014 gab es noch keine statistischen Angaben. Im Jahr 2013 waren etwas häufiger Mädchen betroffen – bei 517 Inobhutnahmen. Unter den aus den Familien geholten Minderjährigen waren 274 im Alter von 14 und 15 Jahren, 191 von 16 und 17 Jahren, 147 von 12 und 13 Jahren sowie 125 Kleinstkinder von unter drei Jahren.

Laut Sozialministerium werden Kinder oder Jugendliche von den Behörden in Obhut genommen, wenn der junge Mensch das Jugendamt darum bittet oder eine akute Gefährdung seines Wohls vorliegt. Laut Gesetz müssen auch unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach deren Aufgreifen sofort durch das örtliche Jugendamt betreut und eine Vormundschaft durch die Behörde eingerichtet werden, wie ein Sprecher erklärte.

Zahl der asylsuchenden Kinder stark gestiegen

In MV wurden in den vergangenen Jahren etwa 60 asylsuchende Kinder und Jugendliche, die ohne die Begleitung Erwachsener einreisten, von den Behörden in Obhut genommen. Die meisten von ihnen kamen im Landkreis Ludwigslust-Parchim unter, denn in Horst bei Boizenburg befindet sich die zentrale Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber des Landes. Im Landkreis wurden in 2014 insgesamt 67 Minderjährige in Obhut genommen, davon 21 unbegleitete Flüchtlinge. Bis 2013 waren es jedes Jahr etwa 5 minderjährige Asylsuchende ohne Begleitung in behördliche Obhut genommen worden. Die übrigen Landkreise machten keine Angaben zur Arbeit ihrer Jugendämter.

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