Krach hinter der Bühne:

Theater-Chef schmeißt hin

Die Nachricht vom Rücktritt des Geschäftsführers schlug in den Ensembles von Neubrandenburg und Neustrelitz ein wie eine Bombe. Die Gesellschaft sucht aber nicht nur einen Geschäftsführer, sondern auch neue Strukturen.

Wilhelm Denne
Theater Wilhelm Denne

Anfang der Woche waren die Differenzen sichtbar – zumindest für den engen Kreis der drei Gesellschafter der Theater und Orchester GmbH (TOG): die Vertreter der Städte Neubrandenburg, Neustrelitz und des Kreises Mecklenburgische Seenplatte. Bürgermeister und Landrat hatten zur Gesellschafterversammlung eingeladen, das Thema: der Wirtschaftsplan 2013. Wer aber nicht kam, war Theater-Geschäftsführer Wilhelm Denne – offenbar ohne sich vorher zu entschuldigen. Deshalb kam es für das Gesellschafter-Trio nicht überraschend, dass Denne das Handtuch wirft. Zum 31. Dezember ist Schluss – nach nur zwei Jahren als Geschäftsführender Theaterdirektor.

Während Wilhelm Denne am Donnerstag nicht erreichbar war, halten sich auch die Gesellschafter sehr bedeckt. Neubrandenburgs Oberbürgermeister Paul Krüger (CDU) spricht von einer „hochsensiblen Geschichte“. „Wir haben absolute Vertraulichkeit vereinbart“, sagte er. So lässt Krüger auch die Frage offen, ob es an der Arbeit Dennes etwas auszusetzen gegeben habe. Nur so viel: „Ich habe gar kein Problem mit Herrn Denne gehabt.“ Laut Landrat Heiko Kärger (CDU) habe sich Denne noch nicht einmal gegenüber den Gesellschaftern zu den Beweggründen seines Rücktritts geäußert. Übergangsmäßig sollen jetzt Aufsichtsratsvorsitzende Diana Kuhk und Ex-Geschäftsführer Dirk Rautmann die TOG führen.

Im Ensemble schlug die Nachricht wie eine Bombe ein. „Das wird alle wie ein Hammer treffen“, meinte eine Mitarbeiterin, die wie alle
anderen erst aus den Medien vom Rücktritt erfuhr.

Kapitulation vor künftigen Fusions-Debatten?

Das einzige Statement aus dem politischen Raum kam von der grünen Kreistagsfraktion: Dennes Schritt zeige „deutlich die Defizite der gegenwärtigen Kulturpolitik“. Auch wenn Paul Krüger beteuerte, dass die Gesellschafter dem Theater-Chef keine Vorgaben für künftige Strukturen gemacht hätten, wird Dennes Rücktritt von Insidern als Kapitulation vor künftigen Fusionsdiskussionen gewertet. Entsprechend des Theaterkonzeptes von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) stehen auch im Osten von Mecklenburg-Vorpommern Kooperationen zwischen den Theatern Neubrandenburg/Neustrelitz und Greifswald/Stralsund an.

Neben der Frage, ob sich beide Häuser zwei teure Philharmonien leisten können, dürfte es in anstehenden Verhandlungen auch um die Frage des Musiktheaters gehen. Hier pochen Neustrelitz und Greifswald auf ihre Traditionen. Landrat Kärger hat zwei Prämissen für eine Theaterreform im Osten: Die Neubrandenburger Philharmonie muss erhalten bleiben, und „Neustrelitz muss Produktionsstandort bleiben“.

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