Streit um Werkstätten:

Theaterreform bleibt eine große Baustelle

Es ist längst noch nicht alles in trockenen Tüchern, was das künftige Großtheater Nordost betrifft. Zu einigen Knackpunkten haben die künftigen Fusionspartner äußerst unterschiedliche Auffassungen.

Nicht nur am Theater Neustrelitz wird derzeit gebaut – auch an der Theaterreform ist noch viel zu werkeln.
Nicht nur am Theater Neustrelitz wird derzeit gebaut – auch an der Theaterreform ist noch viel zu werkeln.

Millionen Euro wurden und werden in das Neustrelitzer Landestheater investiert. Derzeit wird die Fassade aufgefrischt. Gerade erst hat Intendant Joachim Kümmritz die Unterlagen für die nächste große Investition eingereicht: 1,4 Millionen Euro sollen im Sommer 2017 in die Bühnentechnik investiert werden, die in die Jahre gekommen ist.

Irgendwann ist auch der Marstall hinter dem Neustrelitzer Theater an der Reihe. Gerade dies Sanierung dürften die potenziellen Fusionspartner der Theater und Orchester GmbH (TOG) Neubrandenburg-Neubrandenburg, die Städte Greifswald und Stralsund, aber mit Argusaugen betrachten. Der Marstall soll das Domizil für die Zentralwerkstätten des künftigen Staatstheaters Nord-Ost werden.

Wunsch nach externem Moderator

Das geht gar nicht, heißt es immer wieder aus den beiden Hansestädten. Schließlich würden künftig dort die großen Inszenierungen fürs Schauspiel und Musiktheater einstudiert. „Deshalb macht es doch keinen Sinn, die Zentralwerkstätten an den Rand zu legen“, stellt Andreas Mayer, Aufsichtsratschef des Theaters Vorpommern, klar. Immerhin haben die Bürgerschaften von Greifswald und Stralsund den Standort der Bühnenbild- und Kostümgestalter auch zum Gegenstand ihrer Fusionsbeschlüsse gemacht: Die Werkstätten müssen in eine der beiden Hansestädte kommen.

Das Thema ist aber nur eine der Baustellen in Sachen Theaterreform: Die Zweckbindung von 950 000 Euro für den Erhalt der Neustrelitzer Tanzkompanie sowie das Zuschuss-Plus von 400 000 Euro durch die Stadt Neustrelitz seien weitere Punkte, bei denen Dissens besteht, sagt Kümmritz, der sich auf die jüngste Beratung der Verwaltungschefs und Intendanten mit dem Kultusministerium beruft. Zudem gebe es den Wunsch der Vertreter des Theaters Vorpommern nach einer externen Moderatorenstelle, die strittige Punkte von neutraler Position aus betrachte und löse.

Ziel des Intendanten: Die Theatergründung 2018

Die Haltung des Landes zum letzten Punkt sei eindeutig: „Könnt Ihr gerne haben, aber wir zahlen das nicht“, gibt Kümmritz den Standpunkt wider. Er gehe ohnehin davon, dass Kultusminister Matthias Brodkorb (SPD) kaum Luft an die bereits beschlossenen Eckwerte lasse. Dazu gehören eben auch die Zentralwerkstätten in Neustrelitz sowie das Ende der Landesförderung für die Tanzkompanie. Minister Brodkorb zeigt sich derzeit ungewohnt wortkarg: „Wir kommentieren die Verhandlungen nicht, bevor sie abgeschlossen sind“, lässt er über seinen Sprecher Henning Lipski ausrichten.

Aufsichtsratschef Mayer hat noch ein Problem. Das Land
dränge auf neue Zielvereinbarungen durch die Theater-Träger, noch bevor verhandelt werde. „Das ist erpresserisch, damit werden Verhandlungen vorweggenommen“, sagt Mayer. Die lakonische Reaktion des Brodkorb-Sprechers: „Wenn wir keine gemeinsamen Grundlagen schaffen, können wir auch kein gemeinsames Ziel erreichen.“

Kümmritz will gerne vorankommen mit der Debatte. Er plädiert dafür, zum 1. Januar 2017 einen Intendanten für das Staatstheater Nord-Ost einzusetzen. Der stehe mit der Fusion der zwei Theater und Orchester vor einer „Herkulesaufgabe“. Für die Theatergründung würde er den 1. August 2018 als Ziel anpeilen. Auch zu diesen Ideen zeigt sich der Kultusminister eher schweigsam und wiederholend:  „Wir kommentieren die Verhandlungen nicht, bevor sie abgeschlossen sind.“