Ziegenbock narrt seine Häscher:

Tiere haben keinen Bock aufs Gatter

In Rostock macht seit einigen Tagen die „Einsatzgruppe Tier“ Jagd auf einen freilaufenden Ziegenbock. Der aber narrt die Häscher immer wieder. Auch in anderen Städten ist manchmal Wildwest.

Auch Füchse erobern die Städte. Wenn Wildtiere auf den Menschen treffen, gibt es Probleme.
             
Jörg Carstensen Auch Füchse erobern die Städte. Wenn Wildtiere auf den Menschen treffen, gibt es Probleme.  

Ein Wildschwein in einem Neubrandenburger Friseursalon, ein ausgebüxtes Zirkus-Nilpferd in der Landeshauptstadt Schwerin und jetzt ein Ziegenbock, der Rostocks Straßen unsicher macht – die Ordnungsbehörden der Kommunen im Land sind so manchen tierischen Kummer gewohnt. Genau 276 Mal musste die Feuerwehr der Viertore-Stadt im vergangenen Jahr ausrücken, um vom Bienenschwarm über Katz‘ und Hund bis zum Mufflon einzufangen, was da kreucht und fleucht. „Erst vergangenen Jahr lief ein Wildschaf in einer Kleingartenanlage frei herum“, erinnert sich Stadtsprecherin Kathleen Bötel. Aber meistens geht es um freilaufende Hunde – im Jahr 2012 allein 97 Mal.

Die Ziege ist los

In Rostock hingegen macht seit einigen Tagen ein Ziegenbock von sich Reden, der schon so manchen Autofahrer zu einer Notbremsung gezwungen hat. „Das Tier ist offenbar die Nähe des Menschen gewöhnt und tagaktiv. Immer wieder springt es auf Straßen – wenn das bei einem Motorradfahrer passiert, kann die Sache böse ausgehen“, sagt eine Stadtsprecherin. Deshalb sei jetzt auch die „Einsatzgruppe Tier“ des Brandschutz- und Rettungsamtes auf das Tier angesetzt – wobei der gerissene Bock bislang seinen Häschern immer wieder entkommen konnte. Das Spezialkommando habe den Auftrag, das Tier einzufangen und nicht abzuschießen – im Internet wird letztere Möglichkeit von vielen Nutzern scharf kritisiert.

Einfangen statt schießen

Die Entscheidung über das Vorgehen liegt übrigens bei der Kommune, so das Umweltministerium in Schwerin auf Nachfrage. Grundlegend gelte: „Die erste Option ist immer, das Tier einzufangen. Wenn aber Gefahr droht, kann beispielsweise der Kreisjägermeister Jäger alarmieren, die extra für das Schießen in Städten und Gemeinden ausgebildet sind“, erläutert Mitarbeiterin Marion Zinke.

Das Problem ist aber: „In Gemeindegebieten gibt es keine Jagdreviere, so dass ein Abschuss schon rein rechtlich schwierig ist“, sagt der Chef des kommunalen Ordnungsdienstes in Heringsdorf auf Usedom, René Holz. „Deshalb setzen auch wir auf mildere Mittel, ohne gleich den finalen Schuss abzufeuern.“ Im Ostseebad hat man Erfahrung – über mehrere Jahre hinweg machten es sich Wildschweine ausgerechnet auf der Promenade gemütlich. „Derzeit gibt es aber keine Probleme, eventuell kommen sie im Winter wieder, wenn die Futterquellen weniger werden.“