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Tod in der Zelle durch Herzversagen

Ein 29-jähriger Mann stirbt in der JVA Neubrandenburg. Ein toxokologisches Gutachten soll jetzt genau klären, warum.

Bei dem 29-jährigen Mann aus der JVA Neubrandenburg versagte offenbar das Herz.
A3390 Kay Nietfeld Bei dem 29-jährigen Mann aus der JVA Neubrandenburg versagte offenbar das Herz.

Bei einem Todesfall hinter Gittern sind Verschwörungstheoretiker sofort zur Stelle. Umso mehr, wenn der Verstorbene erst 29 Jahre alt war und laut Justizministerium weder ein Suizid denkbar ist noch Gewalt von außen zum Einsatz kam.

Sein Mithäftling in der Zelle der Justizvollzuganstalt (JVA) Neubrandenburg hatte den leblosen Mann am Montag gegen 2.45 Uhr entdeckt und Alarm geschlagen. Der Tod war vom Notarzt bestätigt worden. Am Dienstagnachmittag gab das Ministerium das Ergebnis der Leichenschau bekannt: Der 29-Jährige aus Vorpommern starb an Herzversagen. Er war seit September in Haft, um eine zehnmonatige Freiheitsstrafe wegen Körperverletzung abzusitzen.

2013 starben fünf Menschen im Gefängnis

Wie in solchen Fällen üblich sei ein toxikologisches Gutachten in Arbeit, hieß es. Das Ergebnis werde jedoch einige Wochen auf sich warten lassen. Die Untersuchung soll klären, ob das Herz vielleicht infolge einer Drogensucht oder durch Missbrauch von Alkohol oder Tabletten aufhörte zu schlagen. Etliche Straftäter rücken mit einem ganzen Päckchen von Problemen ins Gefängnis ein. „Darum haben wir zum Beispiel in der Jugendanstalt Neustrelitz die Suchtprävention ausgebaut“, sagte Tilo Stolpe, Sprecher des Justizministeriums.

Bislang waren 2014 zwei Menschen im Strafvollzug des Landes gestorben: Neben dem aktuellen Todesfall hatte es zum Jahresbeginn einen Suizid gegeben. Im vergangenen Jahr kamen fünf Häftlinge um: Im Juni war ein 58-jähriger Mann in der Küche der JVA Bützow tot zusammengebrochen, im August starb ein 28-Jähriger in Stralsund – beiden wurde Herzversagen attestiert. Im November erlag ein 58-Jähriger Häftling aus Waldeck einem Herzinfarkt. Zudem wurden zwei Suizide in Bützow und der Untersuchungshaft Neustrelitz verübt.

Besorgniserregend ist die Zahl der Todesfälle hinter Gitter eher nicht. Tilo Stolpe verweist darauf, dass sich pro Tag rund 1200 Menschen in den fünf Vollzugsanstalten des Landes aufhalten. Durch das Kommen und Gehen summiert sich diese Zahl im Jahresverlauf auf bis zu 4000. Um Suizide zu verhindern, setzen die Vollzugsbeamten alles daran, Warnsignale zu erkennen. Gegebenenfalls wird psychologische Betreuung veranlasst. Bedrohte Häftlinge können auch in besonders gesicherten Hafträumen oder in Gesellschaft untergebracht werden.