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Tourismusbranche profitiert von den Krisen der Welt

Das Land Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet sein bestes erstes Tourismus-Halbjahr der Landesgeschichte. Vorpommern ist der große Gewinner im Land, Neubrandenburg verzeichnet einen katastrophalen Einbruch der Übernachtungszahlen.

Volle Strände, volle Hotels: Mecklenburg-Vorpommern erzielt 2016 einen historischen Übernachtungsrekord.
Stefan Sauer Volle Strände, volle Hotels: Mecklenburg-Vorpommern erzielt 2016 einen historischen Übernachtungsrekord.

Die regionale Tourismusbranche trotzt dem vergleichsweise schlechten Sommerwetter und eilt von einem Rekord zum nächsten. 11,7 Millionen Übernachtungen zählte das Statistische Landesamt in den Monaten Januar bis Juni in den Tourismusbetrieben Mecklenburg-Vorpommerns. Das ist die höchste Anzahl an Übernachtungen, die das Land in einem ersten Halbjahr jemals verzeichnen konnte. Das bisher erfolgreichste Jahr 2015 wurde noch einmal um 4,6 Prozent übertroffen. Deutschlandweit wuchs die Übernachtungszahl im gleichen Zeitraum um 3 Prozent. Die Zahl der Gästeankünfte stieg um 4,2 Prozent auf 3,2 Millionen.

Die Gründe für den Rekord sind vielfältig. "Saisonverlängernde Maßnahmen und die Investitionen in bereits vorhandene Übernachtungsmöglichkeiten machen sich in wachsenden Gästezahlen bemerkbar", sagte Wirtschafts- und Tourismusminister Harry Glawe (CDU) am Dienstag in Schwerin. Glawe bekräftigte den Entschluss, bis Jahresende das Ziel von mehr als 30 Millionen Übernachtungen erreicht zu haben. Damit würde die bisherige Rekordmarke von knapp 29,5 Millionen Übernachtungen aus dem Jahr 2015 erneut übertroffen.

Auf Rügen sind die Strände noch sicher

Darüber hinaus spielten zwei weitere Faktoren entscheidende Rollen: das Wetter und die unsichere Sicherheitslage in der Welt. In einer Befragung der großen Tourismusbetriebe des Landes gab ein Drittel an, verstärkt Nachfragen aufgrund der angespannten Lage in anderen Reiseregionen erhalten zu haben. "Urlaub im eigenen Land und sichere Reiseziele stehen gut im Kurs", sagte Jürgen Seidel, Präsident des Landestourismusverbandes. Dem pflichtete Holger Vonberg von der Rügener Tourismuszentrale bei. "Fragen der Sicherheit spielen dieses Jahr eine große Rolle." Die Insel Rügen habe gut bewachte Strände. Das durchwachsene Wetter wiederum wirkte sich negativ auf die Zahlen aus. In der Befragung gab mehr als die Hälfte der Betriebe an, weniger kurzfristige Buchungen und kürzere Reisen verzeichnet zu haben.

Zu den Gewinnern zählte das vorpommersche Festland mit einem Wachstum von 11,7 Prozent. Die Verlierer des ersten Halbjahres 2016 waren die Mecklenburgische Seenplatte (minus 1,2 Prozent) und besonders die Stadt Neubrandenburg (minus 16,4 Prozent). In Neubrandenburg machte sich laut Bert Balke, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Mecklenburgische Seenplatte, besonders der Wegfall des Radisson Blu am Marktplatz bemerkbar. "Bei uns ist die Zahl der in die Statistik einfließenden Betten um 2,6 Prozent geschrumpft, in Neubrandenburg gar um 35 Prozent", erklärte Balke. Unter dem Strich bestätigte somit die Seenplatte den Aufwärtstrend des Landes.

Mehr internationale Gäste in MV

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Übernachtungszahlen internationaler Touristen um 5,3 Prozent an. Von den insgesamt fast 12 Millionen Übernachtungen in der ersten Hälfte des Jahres wurden rund 372 000 Übernachtungen aus dem Ausland registriert. Die meisten Touristen kamen aus den Niederlanden (68 455), gefolgt von Dänemark (58 704), Schweden (50 148), der Schweiz (48 168), Polen (32 741) und Österreich (24 665). Aus übrigen Ländern kamen 83 770 Gäste.