Surfer contra Schwimmer:

Trendsport an der Küste nimmt zu

Sie sind schön anzuschauen, die bunten Segel der Kitesurfer vor der Küste. Doch nicht alle freuen sich über die rasanten Wassersportler. Vor allem dann nicht, wenn sie Schwimmern in die Quere kommen.

Jens Büttner Es ist schon vorgekommen, dass Kitesurfer die Kontrolle verloren und mitten in den Badebereich geschwebt sind.

Wellenreiten ist «in» vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Was bis 1990 im Osten wegen Fluchtgefahr auf offener See verboten war, gewinnt jetzt immer mehr Liebhaber. Die zunehmende Beliebtheit von Wassersportarten wie Segeln und Surfen beeinträchtigt aber auch die Sicherheit von Badenden. Wegen der Entwicklung bekämen die Retter mehr Arbeit, sagte etwa Torsten Erdmann von der Deutschen-Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Rostock.

Freunde des rasanten Wassersports wie Surfen, Kitesurfen, Paddeln oder Segeln finden im Nordosten rund 100 geeignete Reviere, wie Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes, in Rostock sagte. Darunter seien 55 Top-Spots, die bestimmte Standards vor allem hinsichtlich Markierung, Sicherheit und Naturschutz erfüllen. Zu den gefragtesten Revieren gehört die Außenküste vor den Inseln, aber auch einige Boddengewässer und Meeresbuchten sowie Teile der Seenplatte.

Nach Ansicht des Verbandssprechers gibt es an der rund 1700 Kilometer langen Außen- und Boddenküste in Mecklenburg-Vorpommern genug Platz für alle - für Surfer und für Schwimmer gleichermaßen. Erfahrene Wassersportler gingen in der Regel sensibel mit Naturräumen wie auch mit den Interessen von Badenden und Strandbesuchern um, betonte Woitendorf. Surf- und Segelreviere seien spezielle touristische Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene und lockten daher vor allem Aktivurlauber in den Nordosten. Dies trage erheblich zu einer sozialen und kulturellen Belebung der Region bei.

Kitesurfer donnern in Badebereich

Vorsicht scheint aber angebracht. Vor allem dort, wo sich Badende und Wassersportler nahe kommen, gebe es immer wieder Probleme, bestätigte auch Sebastian Zimmermann vom Landeswasserschutzpolizeiamt. Surfer und Segler ließen es mitunter an der gebotenen Rücksicht fehlen. So sei es vor allem im Juli 2014 mehrfach zu berechtigten Beschwerden von Badegästen gekommen. Diese hätten moniert, dass Surfer in Bereiche mit erkennbarem Badebetrieb rasten. Eigentlich müssten sie aber mindestens 50 Meter Sicherheitsabstand zu Schwimmern wahren.

So komme es sogar zu Kollisionen, wenngleich größere Unfälle in den letzten Jahren nicht bekannt wurden, bestätigte Rettungsschwimmer Erdmann. «Da donnert manch ungeübter Kitesurfer schon mal mitten in den Badebereich rein.» Aber auch die straff gespannten Seile zum Kiteschirm könnten für Schwimmer oder spielende Kinder gefährlich werden. Rettungsschwimmer dürften indes nur ermahnen. Notfalls müsse da schon mal das Ordnungsamt informiert werden, meinte Erdmann.

Problematisch findet der DLRG-Sprecher die oft unzureichende Schutzkleidung von Surfern, Katamaran-Seglern oder Fun-Sportlern auf den von Motorbooten gezogenen schwimmenden «Bananen». Helm und Schwimmweste mit Rücken-Protektoren seien nicht immer selbstverständlich, kritisierte Erdmann. «Das ist grob fahrlässig.» Mangelhafte Schutzausrüstung führe immer wieder zu bedrohlichen Unfällen teils weit vor der Küste.