Krankhafter Alkohol-Missbrauch:

Trunksucht bringt Männer am häufigsten in die Klinik

Weil sie zu viel trinken, landen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern jährlich mehr Männer in einer Klinik als Patienten mit einer Herzkreislauferkrankung. Experten schlagen vor, Alkohol schwerer verfügbar zu machen.

Bekannt, aber doch immer wieder verdrängt: Zu viel Alkohol schädigt viele Organe massiv.
Franziska Gabbert Bekannt, aber doch immer wieder verdrängt: Zu viel Alkohol schädigt viele Organe massiv.

Alkohol ist und bleibt in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg das Rauschmittel Nummer eins. Die gesundheitlichen Folgen sind drastisch: Rund 7890 männliche Patienten mit akuten Rauschzuständen, Entzugssymptomen und körperlichen Ausfallerscheinungen wurden 2013 im Nordosten in einer Klinik aufgenommen. In den Brandenburger Krankenhäusern waren es 8300 Fälle. Übermäßiger Alkoholkonsum bleibt damit bei Männern der häufigste Grund für einen vollstationären Klinikaufenthalt, wie aus den Krankenkhaus-Diagnosedaten des statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Alkohol soll die Sorgen ertränken

"Alkohol steht seit Jahren einsam an der Spitze der Rauschmittelliste. Er ist preiswert und immer verfügbar", erklärt der Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Greifswalder Universitätsmedizin, Harald Freyberger. Wie andere andere Experten auch verweist der Mediziner darauf, dass Alkoholprobleme besonders in Gegenden mit überdurchschnittlicher Arbeitslosigkeit und hoher Abwanderung auftreten. "Wir haben Patienten mit einem Alkoholspiegel von 4,5 Promille, die noch sprechen und stehen können. Andere wären da klinisch tot", sagt der Psychiater.

Lebenserwartung sinkt dramatisch

Die Gesundheitsrisiken durch einen langjährigen und übermäßigen Konsum von Bier, Wein und Schnaps sind zahlreich: Der Stoff schädigt nicht nur die Leber und die Bauchspeicheldrüse, sondern zerstört auch die Nervenzellen. Durch chronischen Alkoholmissbrauch verkürze sich außerdem die Lebenserwartung durchschnittlich um 10 bis 15 Jahre.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht: "Der Pro-Kopf-Konsum von Alkohol ist rückläufig", weiß Carsten Schröder von der Fachstelle für Suchtprävention der Salus-Klinik im brandenburgischen Lindow. Es müsse aber noch mehr Aufklärungsarbeit betreiben werden, sind sich Freyberger und Schröder einig. 

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