Immer mehr Väter gehen in Elternzeit:

Tschüss Werkbank, willkommen Wickeltisch

Kindererziehung ist Frauensache? Nicht unbedingt! Auch im Nordosten steigt die Zahl der jungen Väter, die für ihre Neugeborenen eine Arbeitspause einlegen.

Erziehung ist eben nicht nur Frauensache. Immer mehr Väter kümmern sich um ihren Nachwuchs.
Patrick Pleul Erziehung ist eben nicht nur Frauensache. Immer mehr Väter kümmern sich um ihren Nachwuchs.

„Mein Mann? Der ist zu Hause und kümmert sich ums Kind.“ Neuesten Erhebungen zufolge können diese Antwort immer mehr junge Mütter geben, wenn sie nach dem Verbleib der frisch gebackenen Väter an ihrer Seite gefragt werden. Immerhin jeder fünfte Vater im Land lässt mittlerweile für einige Monate die Arbeit ruhen und widmet sich stattdessen der Pflege und Erziehung des eigenen Kindes.

Erhoben werden diese Daten unter anderem beim Landesamt für Gesundheit und Soziales in Rostock. Neueste Zahlen belegen, dass im vergangenen Jahr knapp 20 Prozent aller Anträge auf Zahlung von Elterngeld durch Väter gestellt wurden. Im Jahr 2007, als das Elterngeld neu eingeführt wurde, lag der Anteil bei schwachen 9,1 Prozent.

Bei größeren Firmen ist der Trend noch nicht da

Ein Wert, der gerade in den größeren Städten wie Rostock und Schwerin deutlich überschritten wird. So weist eine Studie des Statistischen Bundesamtes den Anteil der Väter unter den Elterngeldbeziehern mit 29,2 Prozent in Rostock beziehungsweise 25,5 Prozent in Schwerin aus. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald liegt der Wert bei 20,7 Prozent, die Mecklenburgische Seenplatte schließt mit 19,5 Prozent „Väteranteil“ ab.

Bei den größeren Arbeitgebern scheint der Trend hin zum Kinderzimmer und weg von der Werkbank noch nicht recht angekommen zu sein. So hieß es aus der Zentrale von „Unser Heimatbäcker“ aus Pasewalk, einem 1200 Mitarbeiter zählenden Unternehmen. „Derzeit haben wir nur einen jungen Vater in Elternzeit.“ Und auch die Eisengießer aus Torgelow machen von der Regelung scheinbar nur selten Gebrauch. „Mir ist nur ein einziger Fall bekannt, damals hatte die Familie keinen Kitaplatz gefunden“, so eine Unternehmenssprecherin. Die Erklärung lieferte sie gleich mit: „Wir haben hier einfach nicht genug junge Familien, das ist das Problem.“