Fall Michael Thomalla:

Umgang mit Ex-Spitzeln wird zum Balanceakt

Nach der Stasi-Enttarnung von Michael Thomalla bleiben viele Fragezeichen. Unklar ist weiterhin, wie er durch das Netz der Untersuchungen schlüpfen konnte. Ein anderer Ex-IM hat nun Gewissheit.

Nach der Enttarnung von Michael Thomalla bleiben zunächst viele Fragen ungeklärt.
Jens Büttner Nach der Enttarnung von Michael Thomalla bleiben zunächst viele Fragen ungeklärt.

Der Fall des als Stasi-Zuträger enttarnten Michael Thomalla wird den Vorstand des Städte- und Gemeindetages länger beschäftigen, als ursprünglich angenommen. Mit Blick auf eine Sondersitzung des Vorstandes am heutigen Vormittag erklärte Reinhard Dettmann, Vorsitzender des Interessenverbandes: „Ich werde mir von meinen Vorstandskollegen den Antrag auf Akteneinsicht legitimieren lassen. Erst wenn wir das Original in den Händen halten, wird es eine Entscheidung geben.“ Eine Abberufung Thomallas könne nicht mit einem Zeitungsbeitrag allein begründet werden, sagte Dettmann, „dafür braucht es schon Rechtssicherheit.“ Eine Entscheidung über die Zukunft Thomallas sei daher vorerst nicht zu erwarten.

Thomalla schweigt weiterhin zu den Vorwürfen

Der Belastete selbst hüllte sich auch am dritten Tag nach seiner Enttarnung in Schweigen. Eine Erklärung zu seiner durch den Nordkurier veröffentlichten Stasi-Vergangenheit blieb ebenso aus wie eine Information darüber, ob Thomalla an der heutigen Sondersitzung teilnehmen wird. Nach unserer Redaktion vorliegenden Akten der Stasi-Unterlagenbehörde hatte Thomalla von 1983 an über sechs Jahre als IM gearbeitet und auf mehr als 400 Seiten Berichte über Mitglieder der damaligen Blockpartei LDPD angefertigt.

Unklar bleibt, wie die Geheimdienstvergangenheit des Städtetag-Geschäftsführers bislang verborgen bleiben konnte. Mitarbeiter der Neubrandenburger Außenstelle der Stasi-Unterlagenbehörde waren laut eigener Aussage weiterhin damit beschäftigt, Hinweise auf das Ergebnis einer Stasi-Untersuchung Thomallas zu recherchieren. Vom Städtetag gab es keine Antwort auf die Frage, ob eine solche Untersuchung überhaupt stattgefunden habe.

Auch Jürgen Rogge arbeitete für das MfS

Für den Landesverband der Vereinigung der Opfer des Stalinismus erklärte Fred Mrotzek: „Der Fall zeigt, dass uns dieses Thema noch eine ganze Weile lang verfolgen wird.“ Persönlich beschäftige ihn die Frage, „wie man so lange mit einer Lebenslüge umgehen kann“. Angesichts der gegen Thomalla im Raum stehenden Vorwürfe erklärte Mrotzek, dieser sei als Geschäftsführer „nicht länger tragbar“. Zudem erwarte er von ihm „die Größe, sich auch öffentlich mit seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen.“ Es sei schade, dass es dazu meist erst der Enttarnung ehemaliger Stasi-Spitzel bedürfe.

Diesen Vorwurf muss sich auch Jürgen Rogge gefallen lassen. Zwar räumte der Vorsitzende des Bundes Niederdeutscher Autoren in einer am Montag veröffentlichten Erklärung ein, zwischen 1975 und 1989 für die Staatssicherheit gearbeitet zu haben, zuvor hatte er das lange abgestritten.

Zeitgleich veröffentlichten Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) und die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen, Anne Drescher, eine gemeinsame Erklärung. Darin machen sie deutlich, dass die persönliche und auch öffentliche kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit Voraussetzung für die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Beirat sei. Hintergrund: Rogge sitzt im Niederdeutsch-Beirat des Bildungsministeriums.

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