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Umspannwerke wappnen sich gegen Kupferdiebe

Metalldiebe scheinen vor nichts zurückzuschrecken, auch nicht vor Hochspannungsanlagen. Der Stromnetzbetreiber 50Hertz startet in seinen 70 ostdeutschen Umspannwerke zu einem wirksamen Gegenangriff.

Im Umspannwerk Güstrow markieren Elektromeister Erik Elger (links) und Schlossermeister Thomas Körner ein Erdungskabel mit der künstlichen DNA gegen Diebstahl. Damit sind seit gestern alle 70 ostdeutschen Schaltanlagen entsprechend gesichert worden.
Ralph Sommer Im Umspannwerk Güstrow markieren Elektromeister Erik Elger (links) und Schlossermeister Thomas Körner ein Erdungskabel mit der künstlichen DNA gegen Diebstahl. Damit sind seit gestern alle 70 ostdeutschen Schaltanlagen entsprechend gesichert worden.

Die hohen Weltmarktpreise von bis zu 4.800 Euro pro Tonne Kupfer lassen die Kriminellen scheinbar vor nichts zurückschrecken. „Mittlerweile mussten wir schon 15 Einbrüche in 10 unserer insgesamt 70 Umspannwerke registrieren“, sagt Markus Heilig, Sicherheitschef des ostdeutschen Stromnetzbetreibers 50Hertz. Den Schaden, inklusive Ersatz und Reparaturen, schätzt er auf fast 200.000 Euro.

Sorge bereite nicht so sehr der materielle Schaden durch den Metalldiebstahl, sagt Heilig. Viel schlimmer sei, dass durch die Demontage der sicherheitsrelevanten Erdungskabel eine große Gefahr für seine Kollegen entstehe. Denn die Kabel seien eine Art Blitzableiter. Werde ihr Fehlen nicht sofort bemerkt, könnten bei Arbeiten am Trafo oder bei einem Blitzeinschlag schlimmste Stromunfälle mit Todesfolge und Totalschäden entstehen.

Künstliche DNA ist ein Speziallack mit Micro Dots

In einem Fall habe man nach einem Kabeldiebstahl den gesamten Trafo abschalten müssen, sagt Henri Manske, zuständig für die 14 Umspannwerke in Mecklenburg-Vorpommern. Wenn ganze Abschnitte spannungslos würden, dann könne es schnell zu einer Art Kaskadeneffekt kommen. "Das reicht, um eine Region dunkel zu machen."

Solcherart Horrorszenario vor Augen sah sich 50Hertz im Herbst vergangenen Jahres zum Handeln gezwungen. Vor allem an abseits gelegenen Umspannwerken wurden Videokameras installiert, Wachschutzstreifen organisiert und Sicherheitszäune verstärkt. Um Kabeldiebe abzuschrecken, beauftragte das Management eine Spezialfirma damit, die besonders gefährdete Erdungs- und Steuerungskabel mit künstlicher DNA zu markieren.

Dabei wird auf die Leitungen ein Speziallack aufgetragen, der stark haftet, lange hält und beständig gegen Hitze und Frost ist. Zuvor werden in diesen unsichtbaren Farbaufstrich mikroskopisch winzige Metallplättchen, sogenannte Micro Dots, eingerührt, auf denen das Firmenlogo des Netzbetreiber sowie ein Code mit einem Hinweis auf die genaue Herkunft des Kabels aufgeprägt ist.

Polizei und Schrotthändler mit Spezialkameras ausgestattet

Sollte also irgendwo einmal ein verdächtiges Kabel auftauchen, dann könnten die im Lack versteckten Micro Dots mit einer speziellen Schwarzlichtkamera eingelesen werden, erklärt Heilig. Inzwischen seien alle ostdeutschen Umspannwerke, auch jene 26 Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, entsprechend markiert worden.

Um schnell handeln zu können, wurde bereits jeder Streifenwagen der brandenburgischen Polizei mit einer Spezialkamera ausgerüstet. Mecklenburg-Vorpommern will folgen. Auch Schrotthändler sollen die Kontrollgeräte erhalten. Indes zeigt die Abschreckung offenbar Wirkung. Seit dem Herbst hat es keinen einzigen Einbruch mehr gegeben.