Verwunderung über Werbeslogan:

Unfreundlicher Akt in Kiel: Wer ist der „echte Norden“?

Ausgerechnet der ehemalige Chef der Schweriner Staatskanzlei schöpft den neuen Werbeslogan für Schleswig-Holstein. In MV erntet er damit Stirnrunzeln.

Der echte Norden liegt natürlich in Mecklenburg-Vorpommern – nämlich am Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt Deutschlands auf der wunderschönen Insel Rügen.
© DeVIce - Fotolia.com Der echte Norden liegt natürlich in Mecklenburg-Vorpommern – nämlich am Kap Arkona, dem nördlichsten Punkt Deutschlands auf der wunderschönen Insel Rügen.

Schwerin/Kiel. „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“: Der Ex-Leiter der Staatskanzlei in Schwerin, Reinhard Meyer (SPD), rührt gerade kräftig die Werbetrommel für seinen neuen Arbeitgeber Schleswig-Holstein und scheut dabei auch nicht davor zurück, Mecklenburg-Vorpommern zu düpieren. Denn: Als neuer Wirtschaftsminister in Kiel hat Meyer gerade eine Marketingstrategie für das Nachbarbundesland präsentiert. Mit dem neuen Slogan „Schleswig-Holstein – Der echte Norden“ stößt er allerdings auf Verwunderung in MV, wo man mit Fug und Recht ebenso von sich behaupten kann, echt norddeutsch zu sein.

Echt norddeutsch heißt aber auch echt gelassen – und so reagieren die Tourismusexperten hierzulande denn auch. So entgegnet Tourismusminister Harry Glawe (CDU) der Kampfansage aus Kiel: „Wir wissen, dass wir echt sind, und brauchen dies nicht zu betonen. Mecklenburg-Vorpommern ist schon einen Schritt weiter und sagt deshalb: MV tut gut.“ Der Ressortchef spielt damit auf den Slogan der Landesimagekampagne an – der ironischerweise von Meyer in seiner Zeit als Staatssekretär im Wirtschafts- und Tourismusministerium Mecklenburg-Vorpommern mit auf den Weg gebracht wurde.

Davor wiederum war Meyer übrigens Mitarbeiter der SPD-Fraktion im Schweriner Landtag – die dessen Querschläger jetzt ebenfalls mit Gelassenheit nimmt: „Die Diskussion über den echten Norden können wir ganz entspannt verfolgen: ‚MV tut gut’ bringt unser Lebensgefühl besonders nach solch einem traumhaften Sommer kurz und prägnant auf den Punkt“, meint der tourismuspolitische Sprecher der Fraktion, Detlef Müller.

Subtil-ironisch reagiert der Geschäftsführer des hiesigen Landes-Tourismusverbandes, Bernd Fischer. „Wie Mecklenburg-Vorpommern setzt auch Schleswig-Holstein richtigerweise auf eine integrative touristische Marke. Der dazugehörige Slogan ,Der echte Norden‘ ist nicht allein aus dem eigenen Profil definiert, sondern sucht auch Ab- und Ausgrenzung und bezieht damit andere Regionen ein. Als echte Norddeutsche setzen wir in Mecklenburg-Vorpommern auch in Zukunft selbstbewusst allein auf unsere eigenen Stärken und im Kern auf unsere drei Zugpferde: Natur, Ostsee und Seenplatte“, so der Geschäftsführer. Er macht damit klar, wo die Musik im Tourismusgeschäft in Norddeutschland mittlerweile spielt.

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