:

Uni-Medizin Rostock startet digitale Versorgung auf dem Land

Noch am Wochenenanfang hatte ein Soziologe gesagt, dass die Gesundheitsbranche in Deutschland dem technischen Fortschritt verschläft. Nun stellt die Universitätsmedizin Rostock ein neues Projekt für Patienten auf dem Land vor.

Unter anderem soll der Blutdruck der Patienten erfasst werden und per App an medizinische Einrichtungen geschickt werden (Symbolbild).
Monique Wüstenhagen Unter anderem soll der Blutdruck der Patienten erfasst werden und per App an medizinische Einrichtungen geschickt werden (Symbolbild).

Die Universitätsmedizin Rostock startet Anfang 2017 ein Projekt zur vernetzten Versorgung von Patienten mit chronischen Herzkrankheiten im ländlichen Raum. Im Rahmen von „HerzEffekt MV” erhalten die Patienten auf freiwilliger Basis Blutdruck-Messgeräte, Fitness-Armbänder und Waagen, deren Werte per App an ein digitales Versorgungszentrum gesendet werden. Unter Koordination der Uniklinik werden die Patienten und Gesundheitsdienstleister wie Kliniken, niedergelassene Ärzte, Sanitätshäuser oder Apotheken miteinander vernetzt, sagte der ärztliche Vorstand der Unimedizin, Christian Schmidt, am Dienstag in Rostock. Alle medizinischen Einrichtungen hätten Zugriff auf die Daten, Doppelt- oder gar Dreifachuntersuchungen könnten so vermieden werden.

Das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Elektronikkonzern Philips sowie den Krankenkassen AOK und TK wird in den kommenden drei Jahren mit rund 14 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds des Bundes gefördert. Es soll eine bundesweite Blaupause für die ländliche Gesundheitsversorgung geliefert werden, sagte Schmidt.

Mindestens 20.000 Menschen in MV betroffen

Hintergrund sei, dass Mecklenburg-Vorpommern eine Vorreiterrolle bei der demografischen Entwicklung spiele und mit seinen rund 1,6 Millionen Einwohnern vergleichsweise überschaubar sei. Es sei davon auszugehen, dass im Nordosten 20 000 bis 30 000 Menschen mit chronischen Herzerkrankungen leben.

Würden bei den überlieferten Daten medizinische Unregelmäßigkeiten festgestellt, kann ein Mitarbeiter der bis dahin etablierten Versorgungszentren Kontakt zu den Patienten aufnehmen und Tipps oder Anweisungen für das weitere Vorgehen geben. Auch könnten die Patienten dann direkt zum Facharzt oder in die Klinik überwiesen werden, die dann schon über die notwendigen Daten verfügen. Der Rostocker Kardiologe Alper Öner erklärte, es sei das Ziel des Projekts, die Patienten so zu versorgen, dass sie erst gar nicht ins Krankenhaus gehen müssen.

Neuausrichtung der Notfallmedizin

Wie Peter Vullinghs von Philips sagte, sei das Projekt von zentraler Bedeutung für die künftige Strategie seines Unternehmens. Insgesamt sollen im Untersuchungszeitraum 3000 Patienten erfasst werden, bis zum Sommer kommenden Jahres sollen 1500 rekrutiert sein. „Die Patienten haben Zugang zu diesem Netz und wissen immer ganz genau, wie es um ihre Gesundheit steht”, betonte Vullinghs. Philips stelle mit den notwendigen Geräten die Hardware, aber auch die Software für das Projekt.

Der Innovationsfonds des Bundes hat für Mecklenburg-Vorpommern eine enorme Bedeutung, sagte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD). Neben dem Projekt der Uniklinik Rostock sei noch die Uniklinik Greifswald mit einem Projekten zur Notfallversorgung im ländlichen Raum bei Hautkrankheiten und der Landkreis Vorpommern-Greifswald mit der Neuausrichtung der Notfallmedizin beteiligt.