Schutz der Wracks:

Unterwasser-Nationalpark Jasmunder Bodden vorgeschlagen

Die Ostsee gehört zu den wrackreichsten Gewässern weltweit. Ein besserer Schutz von Fundstellen ist nötig, sagen Experten. Kann ein Nationalpark auf dem Grund des Meeres helfen?

Im Jasmunder Bodden vor Rügen liegen zahlreiche Schiffswracks.
Stefan Sauer Im Jasmunder Bodden vor Rügen liegen zahlreiche Schiffswracks.

Zum besseren Schutz von Schiffswracks und anderen archäologischen Fundstellen in der Ostsee hat der Archäologie-Taucher Reinhard Öser die Ausweisung eines Unterwasser-Nationalparks im Jasmunder Bodden vorgeschlagen. Der Status als Nationalpark würde den Behörden deutlich besser Möglichkeiten im Kampf gegen Wrackräuberei und Vandalismus eröffnen, sagt Öser. "Nach dem Vorbild der Nationalparke an Land könnten Unterwasser-Ranger die Fundstellen überwachen." Geführte Tauchtouren könnten die Sensibilität von Touristen für das historische Erbe auf dem Meeresgrund stärken. Schutzzonen um bedeutende Wracks könnten ausgewiesen und damit Beschädigungen durch die Schleppnetzfischerei vermieden werden, argumentiert Öser.

Der Jasmunder Bodden gilt, wie die gesamte Gegend um Rügen und vor Hiddensee, als besonders wrackreich. "Das waren schwer zu besegelnde Gewässer", erklärt Landesarchäologe Detlef Jantzen. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit liefen immer wieder Schiffe auf Grund, weil sie zu nah an die Küste gerieten oder Untiefen nicht erkannten.

Diebe stehlen Wrackteile

Wrackräuberei ist ein Problem in der Ostsee, sagt Öser. Auf der Suche nach vermeintlichen Schätzen oder Devotionalien brechen Taucher Teile von untergegangenen Schiffen ab. Nichts scheint sicher: Anker, Steuerräder, Morsegeräte, aber auch herumliegende Munition von gesunkenen Kriegsschiffen. Manchen Zwischenfall bekommen die Behörden mit: Nach Angaben des Bildungsministeriums wurde in den letzten fünf Jahren in zwei Fällen Strafanzeige erstattet und in zwei weiteren um Ahndung einer Ordnungswidrigkeit gebeten. "Die Verfahren sind – soweit bekannt – noch nicht abgeschlossen", sagte Ministeriumssprecher Henning Lipski. Jantzen zufolge liegt die Dunkelziffer der Diebstähle und Zerstörungen aber wesentlich höher.

Bei der Landesregierung wird die Idee eines Unterwasser-Nationalparks zurückhaltend aufgenommen. Das Bildungsministerium ist nach Worten eines Sprechers zwar für archäologische Fundstellen, nicht aber für Nationalparke zuständig. Das Umweltministerium, zuständig für Nationalparke, erklärt, das Land habe nicht die Absicht, weitere Nationalparke zu errichten. Mit dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft verfüge Mecklenburg-Vorpommern schon jetzt über einen echten – und den einzigen – Ostsee-Meeresnationalpark.