Brief an Partei:

V-Mann-Affäre: Betroffener soll im Innenausschuss aussagen

Hat die Polizei entgegen den Vorschriften einen Minderjährigen ausgenutzt? Die Linksfraktion im Landtag will den heute 29-jährigen Häftling vorladen lassen.

Der junge Mann soll sich mit einem Brief an die Landtagsfraktion der Linken in Schwerin gewandt haben.
Stefan Sauer Der junge Mann soll sich mit einem Brief an die Landtagsfraktion der Linken in Schwerin gewandt haben.

Die Affäre um einen angeblich minderjährigen V-Mann der Rostocker Polizei geht in eine neue Runde: Die oppositionelle Linksfraktion im Landtag hat den Antrag gestellt, den heute 29-Jährigen im Innenausschuss anzuhören, sagte Abgeordneter Peter Ritter am Donnerstag dem Nordkurier. Der junge Mann habe sich mit einem Brief an die Fraktion gewandt. Darin widerspreche er den Darstellungen des Innenministeriums in Schwerin.

Unterschied zwischen Informanten- und V-Mann-Tätigkeit

Das Ministerium hatte Vorwürfe zurückgewiesen, wonach die Rostocker Polizei den Minderjährigen in der Drogenszene als V-Mann geführt haben soll. Vielmehr sei der damals 16-Jährige von 2004 an als Informant tätig gewesen, sagte ein Sprecher. Dies sei legal, während Minderjährige laut Gesetz nicht als V-Männer beschäftigt werden dürfen.

Der feine Unterschied: Ein V-Mann arbeitet kontinuierlich mit den Ermittlern zusammen, unterschreibt eine Honorarvereinbarung und erhält regelmäßige Zahlungen. Ein Informant kommt von sich aus auf die Polizei zu und erhält bei sachdienlichen Hinweisen eine Prämie.

Das Veto der Mutter wurde offenbar ignoriert

Inzwischen hat auch die Mutter des Betroffenen dem NDR bestätigt, dass ihr Sohn als 15-Jähriger nicht nur Informant gewesen sei, sondern regelmäßige Aufträge erhalten habe. Obwohl sie ihr Veto dagegen eingelegt habe, sei die Verbindung fortgesetzt worden. Der Junge sei ihr dann entglitten. Gegenwärtig sitzt der 29-Jährige wegen eines Betrugsdeliktes in Haft.

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