Täter fühlte sich überfordert:

Vater räumt Misshandlungen seines Babys ein

Während eines wochenlangen Martyriums wird ein Baby schwer misshandelt. Nun beginnt der Prozess gegen den vorbestraften Vater. Er räumt einige Taten ein, belastet aber auch die Mutter.

Rund sechs Monate nach der mutmaßlichen Misshandlung eines Babys auf der Insel Rügen hat der Prozess gegen den Vater begonnen.
Martina Rathke Rund sechs Monate nach der mutmaßlichen Misshandlung eines Babys auf der Insel Rügen hat der Prozess gegen den Vater begonnen.

Rund sechs Monate nach der Misshandlung eines Babys auf Rügen hat der Vater einen Teil der Taten eingeräumt. Der 34-Jährige gab zu Prozessauftakt vor dem Landgericht Stralsund am Freitag zu, seine Tochter im Oktober 2014 in Dranske mehrmals geschlagen und ihr den Ellenbogen in den Rücken gestoßen zu haben. Zudem soll er den Kopf des damals drei Monate alten Kindes zwischen Türblatt und Türrahmen eingeklemmt haben. Das müsse so gewesen sein, sagte der Angeklagte. "Ich war verzweifelt und wollte nur, dass Isabell ruhig ist."

Der Mann aus Brandenburg befand sich zum Tatzeitpunkt als Lockerung des Maßregelvollzuges im "Probewohnen" mit seiner Verlobten und den drei gemeinsamen Kindern. Sie waren erst im Juni von Brandenburg auf die Insel Rügen gezogen. Die Frau hatte dort im Oktober eine Ausbildung begonnen, während der Mann auf die Kinder aufpasste.

Kind wurde lebensbedrohlich verletzt

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, seit Anfang Oktober seine Tochter in sechs Fällen schwer misshandelt zu haben. Er war am 21. Oktober festgenommen worden, nachdem Ärzte bei dem Baby lebensbedrohliche Verletzungen festgestellt hatten.

In seinem Teilgeständnis belastete der Mann auch die Mutter des Mädchens. Sie soll ihrer Tochter damals unter anderem mit der Faust auf den Kopf geschlagen haben.

Die Familiensituation beschrieb der Angeklagte als schlimm. Die Kinder hätten immer wieder hungern müssen, weil es kein Geld für Lebensmittel gegeben habe. Mit seiner Verlobten habe er häufig gestritten: "Ich war überfordert." Einer Psychologin, die im Oktober die Familie besucht hatte, habe man eine heile Welt vorgegaukelt. "Nach 16 Jahren Maßregelvollzug wollte ich, dass endlich Schluss mit der Internierung ist", sagte er.

Vergewaltigungsversuch an einer 14-Jährigen

Das Probewohnen war laut Gericht die letzte Stufe vor der Entlassung aus der psychiatrischen Klinik. Laut einem Gutachten sollte der Mann im Herbst 2014 aus dem Maßregelvollzug entlassen werden. Zur Unterbringung in der Klinik und einer Jugendstrafe war er 1997 verurteilt worden, nachdem er versucht hatte, eine 14-Jährige zu vergewaltigen.

Dem Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes im Kreis Vorpommern-Rügen war nach eigenen Angaben nicht bekannt, dass der Mann vorbestraft und zum Tatzeitpunkt im Probewohnen war. Im ASD seien keine Informationen vonseiten der Staatsanwaltschaft, dem Gericht oder der Polizei eingegangen, sagte ein Kreissprecher. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen die Mutter.

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