Prozess in Stralsund:

Vergewaltiger von Greifswalder Studentin muss in Haft

Der Mann, ein Asylbewerber aus Eritrea, gestand die Tat am Mittwoch vor Gericht. Wegen der Herkunft des Mannes wurde die Tat von der rechten Szene hemmungslos instrumentalisiert. Das Opfer verwahrt sich dagegen.

Das Stralsunder Gericht hatte keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten.
Gabriel Kords Das Stralsunder Gericht hatte keinerlei Zweifel an der Schuld des Angeklagten.

Er spricht mit leiser Stimme, schaut ständig zu Boden und blickt anderen Personen im Gerichtssaal niemals in die Augen, als er sich zu dem Vorwurf, den die Staatsanwaltschaft und das 25-jährige Opfer gegen ihn erheben, äußert: Ghebrekidan H., der 28-jährige Mann aus Eritrea, räumt die Tat, die Vergewaltigung einer 24-Jährigen Studentin, im Wesentlichen ein. Seine „Aussage“ ist wenige Sätze lang und auch eine Erklärung, die sein Verteidiger anschließend verliest, ist kaum länger.

Darin schildert der junge Mann, wie er in Eritrea nach der zehnten Klasse die Schule verlassen musste und zum Militärdienst gezwungen wurde. Wie er voriges Jahr desertierte, durch die Sahara und das Mittelmeer bis nach Europa flüchtete, um hier ein besseres Leben zu finden. Wie er dann in Greifswald landete und in der Tatnacht unter dem Einfluss von Alkohol „missverstanden“ haben will, dass sein Opfer, über das er morgens gegen 5 Uhr auf der Straße nach einem Clubbesuch herfiel, nicht gewollt habe, was geschehen sei. Und er lässt seine Dolmetscherin auch immer wieder erklären: „Ich bitte die Frau, ihre Familie und das deutsche Volk um Verzeihung.“

Klares Bild vom Tathergang

Von einer echten Aussage ist er damit allerdings noch weit entfernt. Mit unzähligen Fragen, denen er oftmals ausweicht oder die er einsilbig beantwortet, will die Richterin anschließend von ihm wissen, was genau passierte.

Am Ende ergibt sich ein relativ klares Bild vom Tathergang und davon, wie rücksichtslos der Angeklagte vorging. Der wiederum wiederholt immer wieder, dass es ihm leidtue und dass es ihm an Bildung mangele. Die Kammer kann das kaum beeindrucken: Mit vier Jahren wählt sie das von der Staatsanwaltschaft geforderte Strafmaß. „Sie wussten, dass das, was Sie getan haben, alles andere als einvernehmlich war“, sagt die Richterin: „Sie haben die junge Frau dazu gezwungen.“

Was die Richterin allerdings auch sagt: Der Angeklagte hat mit dem Urteil, gegen das er nach Angaben des Verteidigers keine Revision einlegen will, seine Chance auf ein Leben in Deutschland „minimiert oder sogar unmöglich gemacht.“ Ihm droht die Abschiebung, wenn auch vermutlich erst nach Verbüßung der Haft oder zumindest eines Teils davon.

Die überfallene Studentin wohnte der gesamten Verhandlung bei und bemühte sich sichtlich darum, dem Angeklagten und dem Prozess standzuhalten. Für ihr souveränes Auftreten wurde sie nach der Urteilsverkündung auch von der Richterin gelobt. Trotzdem schilderte die junge Frau in ihrer Aussage auch, wie sie seit dem Vorfall immer wieder von Ängsten heimgesucht wird. Es wurde deutlich: Mit den Folgen der Tat wird sie noch lange, womöglich ihr Leben lang, zu kämpfen haben.

Der Fall wurde im Vorfeld instrumentalisiert

Da dürfte es auch kaum helfen, dass das Gericht ihr 7000 Euro Schmerzensgeld zusprach – das sie angesichts der Mittellosigkeit des Angeklagten aber wohl nie bekommen wird.

Der Fall hatte bereits im vorigen Jahr für Wirbel gesorgt, zunächst, weil Staatsanwaltschaft und Polizei erst fünf Tage nach dem Überfall die Öffentlichkeit informiert hatten – wohl aus Angst, dass die Rechtsextremen den Fall instrumentalisieren würden, weil der Täter Asylbewerber war. Dieses restriktive Verhalten der Behörden kritisierte Diethard Guse, Anwalt des Opfers, am Rande des Prozesses. Im November hatte der NPD-Abgeordnete Tino Müller per Landtags-Anfrage die Nationalität des Tatverdächtigen „aufgeklärt“, danach war auf rechtsextremen Internet-Plattformen gegen den Angeklagten gehetzt worden.

Das Opfer grenzte sich von derartigen Aktivitäten scharf ab: Sie sei nicht interessiert am Mitleid dieser Leute, sagte sie gegenüber dem Nordkurier. 

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