Wenn die Angst stärker ist:

Viele rechte Übergriffe werden nicht angezeigt

Mehr politische und rassistische Delikte sind im vergangenen Jahr begangen worden. Doch die veröffentlichten Zahlen sind nur die Spitze des Eisbergs.

Viele trauen sich nicht, Anzeige zu erstatten, wenn sie von Rechten angegriffen worden sind. Aber ein Aufsteller warnt: „Rechte Gewalt kann jeden treffen“.
Rainer Jensen Viele trauen sich nicht, Anzeige zu erstatten, wenn sie von Rechten angegriffen worden sind. Aber ein Aufsteller warnt: „Rechte Gewalt kann jeden treffen“.

Es sind erschreckende Zahlen, die der Opferberatungsverein Lobbi bekannt gibt. Denn nach den Angaben des Vereins gab es im vergangenen Jahr 81 Fälle rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern. In Brandenburg registrierte der Verein 92 rechte Gewalttaten. Dabei machen rassistisch motivierte Taten 63 Prozent aller Delikte aus.

In MV registrierte Lobbi im Jahr 2014 die meisten Angriffe in Vorpommern-Greifswald. Hier fanden 23 Taten statt, das sind zehn mehr als im Vorjahr. In der Mecklenburgischen Seenplatte waren es zwölf rassistisch motivierte Taten – 2013: vier. Im Landkreis Vorpommern-Rügen wurden elf Delikte gemeldet. Dem gegenüber stehen sechs Taten im Jahr 2013.

Die Gründe für die Zunahme der rassistischen Gewalttaten seien vielschichtig, sagt eine Sprecherin von Lobbi Ost. Bewegungen wie Pegida und deren Ableger, wie MVgida, haben unter anderem dazu beigetragen, dass rechte Gewalttäter offen gegen Flüchtlinge hetzen und auch nicht mehr davor zurückschrecken diese anzugreifen. „Die Leute werden mutiger“, sagt die Sprecherin. Was aber auch eine Rolle spiele, sei die Bekanntheit der Beratungsstellen. „Es braucht Zeit bis die Flüchtlinge wissen, dass es jemanden gibt, an den sie sich wenden können, wenn sie angegriffen wurde“, so die Sprecherin von Lobbi Ost.

Dunkelziffer darf nicht auer Acht gelassen werden

In der Uckermark blieb die Zahl rassistisch motivierter Taten im Vergleich zu 2013 unverändert – sechs Delikte wurden von der Opferperspektive Brandenburg registriert. Das sei vergleichsweise wenig, erklärt eine Sprecherin des Vereins. Denn der Schwerpunkt rechter Gewalttaten liege im Süden der Mark.

Was aber nicht außer Acht gelassen werden dürfe, sei die hohe Dunkelziffer, so die Opferberatungsvereine. „Wir erfahren auch oft erst aus den Medien von den Übergriffen“, sagt die Lobbi-Sprecherin. Viele Opfer rechter Gewalt, insbesondere Flüchtlinge oder Asylbewerber, würden sich nicht trauen, Anzeige zu erstatten. „Sie haben Angst, Ärger zu bekommen und oftmals fehlt auch das Vertrauen in die Behörden.“ Auch sei ihnen oftmals nicht bewusst, was es genau bedeute Anzeige zu erstatten und viele wollen auch unter keinen Umständen Aufmerksamkeit erregen. „Die Befürchtung, erneut angegriffen zu werden, ist groß.“