Alarm im Landkreis Vorpommern-Rügen:

Vogelgrippe-Virus erstmals bei Wildvogel nachgewiesen

Die Vogelgrippe-Gefahr schien nachzulassen. Doch nur scheinbar, denn der Virus zeigt sich nicht äußerlich. Nun gibt es einen neuen Fall in Mecklenburg-Vorpommern - bei einem Wildvogel.

Erstmals in Europa ist das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen worden.
Stefan Sauer Erstmals in Europa ist das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen worden.

Erstmals in Europa ist das gefürchtete Vogelgrippe-Virus H5N8 bei einem Wildvogel nachgewiesen worden. Entdeckt wurde es in einer Krickente, die im Rahmen der Wildvögel-Überwachung auf der Insel Rügen in Mecklenburg-Vorpommern geschossen wurde, wie Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Samstag in Schwerin sagte.

Damit erhärtet sich der Verdacht, dass die Ausbrüche der vergangenen Wochen in Nutztierställen in Europa auf eine Übertragung aus der Wildvogelpopulation zurückgehen. "Es ist ein weiterer Hinweis, dass Wildvögel daran beteiligt sein könnten", sagte die Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), Elke Reinking. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems.

Erster Fall in Europa außerhalb der Nutztierhaltung

Sämtliches Geflügel in betroffenen Haltungen muss getötet werden, denn das Virus ist hochansteckend. Die Krickente auf Rügen hatte Backhaus zufolge keine äußeren Anzeichen der Krankheit.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) rief alle Bundesländer zur Vorsorge auf.

So solle etwa Hausgeflügel in Ställen untergebracht werden, erklärte Schmidt in Berlin. "Unklare Krankheits- oder Todesfälle müssen schnellstmöglich untersucht und bei Verdachtsfällen dem jeweils zuständigen Veterinäramt gemeldet werden." Konsequente Hygiene sei das A und O, um eine Verbreitung der Geflügelpest zu verhindern. Am Montag, den 24.November, ist ein Krisentreffen in Berlin geplant.

Stallpflicht für Geflügel

Für Mecklenburg-Vorpommern ordnete Backhaus noch am Sonnabend die sofortige Unterbringung aller rund 13 Millionen Hühner, Puten und Enten sowie von anderem Nutzgeflügel in Ställen oder überdachten Volieren an. Rund 40 000 Halter sind von dem Erlass betroffen, dessen Einhaltung von Veterinärämtern und der Polizei kontrolliert werden soll. Die Tiere dürfen auch nicht mit Oberflächenwasser getränkt werden. Damit soll jeder Kontakt mit Wildvögeln und deren Ausscheidungen verhindert werden. Das Landesministerium hat ein Bürgertelefon für Fragen rund um die Geflügelpest eingerichtet.

Bei dem Virus in der Krickente von Rügen handele sich um exakt den gleichen Erreger, der bei den bisherigen Ausbrüchen in Deutschland und den Niederlanden nachgewiesen wurde, sagte Backhaus. Zu dem H5N8-Virus, das in Großbritannien festgestellt wurde, gebe es nur sehr geringe Abweichungen. Es sei nicht auszuschließen, dass sich das Virus auf seinem Ausbreitungsweg wandele.

Gezielte Untersuchung von Wildvögeln geplant

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt will die Länder auffordern, ein aktives Wildvogel-Monitoring zu veranlassen - also Wildvögel zu erlegen und zu untersuchen. Und dies in einem größeren Rahmen, als dies zurzeit der Fall ist.

In einem Drei-Kilometer-Umkreis um den Fundort der Krickente auf der Insel Ummanz stehen die Geflügel-Haltungen seit Samstag unter besonderer Beobachtung. Neben kleinen Hobby-Ställen gibt es dort zwei größere Betriebe mit zusammen 4300 Tieren, wie es hieß. Im Umkreis von zehn Kilometern werde ebenfalls genauer hingeschaut - dort gebe es noch einmal drei große Haltungen mit zusammen mehr als 100 000 Tieren. "Ein Sperrbezirk wurde aber nicht eingerichtet", betonte Backhaus.

Krickenten sind dem Minister zufolge äußerst mobil und legen Entfernungen von bis zu 8000 Kilometern zurück. Die kleinen Wildenten lebten in großer Zahl am Baikalsee in Sibirien. Tiere von dort seien in Südkorea beobachtet worden und sie flögen auch bis nach Europa.

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