Für eine Willkommenskultur:

Vorpommern freuen sich auf Flüchtlinge

Hitlergruß, Beschimpfungen, Drohgebärden – in Vorpommern will man das unbedingt verhindern.

In diesem Block am Torgelower Stadtrand werden die Flüchtlinge aus Tschetschenien, Afghanistan und Syrien untergebracht. Vor November sollte man damit nicht rechnen. Foto: Kiesel
Robert Kiesel In diesem Block am Torgelower Stadtrand werden die Flüchtlinge aus Tschetschenien, Afghanistan und Syrien untergebracht. Vor November sollte man damit nicht rechnen. Foto: Kiesel

„Thoms“, „Woinowski“, „Christen“ – die Namen der ehemaligen Bewohner stehen noch an den Klingeltableaus, auch wenn die Umzugswägen schon vor einer ganzen Weile abgerollt sind. Einzig die Schwalben sorgen für Leben auf den ausgestorbenen Balkonen der Ahornstraße 9 bis 12. Das wird sich bald ändern. Etwa 150 Flüchtlinge werden in den kommenden Monaten in Torgelow-Drögeheide eine neue Bleibe finden, ihre Odyssee aus Krisenstaaten und Kriegsgebieten in Vorpommern beenden.

Und auch wenn die Flüchtlinge den Namen des Landstrichs bisher weder gehört, geschweige denn seinen Boden betreten haben, arbeiten die Menschen vor Ort schon an ihrer Begrüßung. „Da kommen neue Leute, da sollten wir uns mal drauf vorbereiten“, erklärt Benno Plassmann vom Aktionsbündnis „Vorpommern: weltoffen, demokratisch, bunt“ den fast schon banalen Hintergrund. An Ideen, wie man den Flüchtlingen und ihren neuen Nachbarn die Ankunft so angenehm wie möglich gestalten könnte, mangelt es nicht. Information, Tag der offenen Tür, Patenschaften sind nur einige der Stichwörter, die auf dem Vorbereitungstreffen der AG Asyl des Bündnisses angesprochen werden. Das Ziel dahinter ist klar: „Wir wollen eine Willkommenskultur schaffen, den Wind drehen“, so Plassmann. Der Wind nämlich, der schlägt den vom „humanistischen Gedanken“ getriebenen Unterstützern der Flüchtlinge von rechts entgegen. Seit Wochen schlachtet die rechtsextreme NPD das Thema für sich aus, beschwört eine „Asylantenflut“, warnt in „Leitfäden“  Bewohner vor Freundschaften mit Flüchtlingen, „die hier auf der Jagd nach noch mehr Wohlstand sind.“

Propaganda entlarvt

Dass es sich dabei um allzu durchsichtige Propaganda handelt, kann Marika Hinz vom Sozialamt der Landkreises Vorpommern-Greifswald leicht belegen. „Von den 150 für Torgelow vorgesehenen Menschen stammen die allermeisten aus Tschetschenien, Afghanistan, Syrien, den klassischen Kriegsgebieten eben“, so die Leiterin des Fachbereichs Asyl. Daneben seien auch Eggesin, Pasewalk und Strasburg als Unterbringungsorte im Gespräch, dort jedoch werden nur wenige Wohnungen für die Flüchtlinge vorbereitet. Auf die Einwohnerzahlen der Orte gesehen wird der Anteil der Flüchtlinge also unter zwei Prozent liegen ­– eine Flut sieht anders aus.

Wann die Kriegsvertriebenen tatsächlich in Vorpommern ankommen werden, kann selbst Hinz zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. „Es ist alles sehr schnelllebig, das kann morgen schon wieder ganz anders aussehen“, so die Fachbereichsleiterin. Für Torgelow-Drögeheide und die Ahornstraße rechnet sie „nicht vor November“ mit den ersten Flüchtlingen. 

In Strasburg wiederum, wo Wohnungen für gut zwei Dutzend Flüchtlinge hergerichtet werden, ist von Seiten der Hilfsangebote alles vorbereitet. „Patenschaften, Kitaplätze, Sprachkurse, an alles ist gedacht, die Zusammenarbeit mit der Verwaltung funktioniert sehr gut“, so Bündnis-Mitglied Roland Bauchler. Lächelnd fügt er hinzu: „Was jetzt noch fehlt, sind eigentlich nur die Flüchtlinge.“

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