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Wann wird die Stoppuhr für Retter künftig gedrückt?

Notfall-Einsätze dürften häufiger werden, da die Bevölkerung altert und die Gefahr von Herzinfarkten und Schlaganfällen zunimmt. In zehn Minuten sollen Helfer da sein. Wann diese Frist beginnt, darüber streitet der Landtag.

Im Notfall zählt für den Patienten jede Minute: Der Gesetzesentwurf der Sozialministerien sieht eine neue Feinheit vor, die der Opposition sauer aufstößt.
Rene Ruprecht Im Notfall zählt für den Patienten jede Minute: Der Gesetzesentwurf der Sozialministerien sieht eine neue Feinheit vor, die der Opposition sauer aufstößt.

Wer einen Herzinfarkt erleidet, für den kann Hilfe nicht schnell genug kommen. Es zählt jede Minute. Um in allen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns solch eine schnelle Hilfe zu gewährleisten, soll noch in diesem Jahr das Rettungsdienstgesetz erneuert werden. Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) präsentierte ihren Entwurf am Mittwoch im Landtag. Die Opposition sieht daran allerdings noch Änderungsbedarf. Die Fachausschüsse sollen darüber nun beraten.

Das neue Gesetz sieht vor, die Hilfsfrist zwar bei zehn Minuten zu belassen. Jedoch soll die Stoppuhr nicht mehr ab dem Zeitpunkt laufen, an dem der Notruf von der Leitstelle entgegengenommen wird. Die zehn Minuten laufen, wenn der Mitarbeiter in der Leitstelle, das geeignete Rettungsmittel alarmiert hat.

Die Opposition kritisiert dies als mögliche Verlängerung, die zulasten der Patienten geht. So könne sich der Mitarbeiter der Leitstelle mehr Zeit lassen. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Julian Barlen, weist diesen Vorwurf jedoch zurück: „Ich bin mir sicher, dass trotz der veränderten Messung niemand auch nur eine Sekunde länger wartet, als bis zur Klärung notwendig.“

"Weiße" Flecken sollen von der Landkarte verschwinden

Der Entwurf sieht zudem vor, dass zukünftig die sogenannten weißen Flecken von der Landkarte verschwinden. „Das sind Gebiete, die auch unter optimalen Bedingungen nicht innerhalb von 15 Minuten erreicht werden können“, erklärt Birgit Hesse. Auch an diesen Orten sollen die Rettungskräfte künftig zehn Minuten nach ihrer Alarmierung eintreffen.

Fragt sich, was das praktisch bedeutet? Für die Organisation des Rettungswesens sind die Landkreise zuständig. Sie prüfen den Bedarf und beauftragen die entsprechenden Träger wie das Deutsche Rote Kreuz. Finanziert wird der Rettungsdienst durch die Krankenkassen. Hier zahlt jede Kasse pro Einsatz für ihre Versicherten.

Sollen die Sondergebiete verschwinden, müssen eventuell neue Rettungswachen geschaffen werden. Die Landkreise Vorpommern-Greifswald und Mecklenburgische Seenplatte wollten zum genauen Ausmaß der möglichen Aufrüstung nicht Stellung nehmen, da das Gesetz noch nicht verabschiedet ist. „Der Normalfall wäre jedoch eher eine Verlegung einer Rettungswache an einen anderen Standort“, erklärt Christian Moeller, Sprecher des Ministeriums.