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Warmer Badespaß wird zum Millionengrab

Meer und Binnenseen sind zum Baden längst zu kalt. Doch auch bei den Schwimmhallen herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Den Betreibern laufen die Kosten davon, teure Sanierungen oder Neubauten stehen an.

Spaßbäder und Schwimmhallen sind beliebt. Aber viele Betreiber kommen mit den Ausgaben nicht klar.
Jens Büttner Spaßbäder und Schwimmhallen sind beliebt. Aber viele Betreiber kommen mit den Ausgaben nicht klar.

Mit Beginn der kalten Jahreszeit brauchen Schwimmer in Mecklenburg-Vorpommern wieder ein Dach über dem Kopf. Doch Hallenbäder sind längst nicht überall verfügbar. Den Betreibern laufen angesichts steigender Energiepreise die Kosten davon, zudem müssen einige völlig überalterte Badeoasen dringend saniert oder gar neu gebaut werden. Die größte Baustelle tut sich derzeit in der Landeshauptstadt Schwerin auf. Eins von zwei Schwimmbädern wurde abgerissen, eine neue Halle soll dafür bis 2015 im Plattenbaugebiet Großer Dreesch errichtet werden, wie die Stadtverwaltung mitteilte.

Die Arbeiten für das knapp elf Millionen Euro teure Bad liegen im Plan, wie es hieß. Das Untergeschoss stehe bereits, am Erdgeschoss liefen die Maurer- und Betonarbeiten, bis Jahresende würden die Fertigteilwände hochgezogen. Da die künftige Halle mit zwei 25-Meter-Becken mehr Wasserfläche als das alte Bad haben wird, solle 2015 die Jahrzehnte alte marode Schwimmhalle im westlichen Stadtteil Lankow ebenfalls abgerissen werden. Um Energie zu sparen und Kosten zu senken, werde das neue Bad mit einer Photovoltaikanlage, Solarthermie und Wärmerückgewinnung ausgestattet. Die künftig einzige Halle Schwerins sei für Vereine, Schulen und die Bevölkerung gedacht. „Die Landeshauptstadt Schwerin hat sich bewusst für eine funktionale Schwimmhalle mit dem Schwerpunkt Schwimmen und Gesundheit entschieden“, erklärte Kathrin Hoffmann, Dezernatskoordinatorin für Finanzen.

Kombination bringt es

Mit einer Kombination aus Spaß- und Sportbad macht die Hansestadt Wismar seit 13 Jahren gute Erfahrungen. Bei jährlich rund einer halben Million Gäste, darunter viele Schüler, Studenten, Senioren und Familien, agiere das „Wonnemar“ in den schwarzen Zahlen, sagte Marketingchefin Madlen Roggentin. Seit der Eröffnung 2005 flossen rund fünf Millionen Euro Investitionen in Erweiterungen und Instandhaltung des Bades, das auch über einen Sauna- und Fitnesskomplex verfüge. „Wir haben eine gute Marktposition in der Region“, betonte Roggentin. Geplant sei der Bau eines Hotels.

Neubrandenburgs Wassersportlern steht in der Viertorestadt nur eine einfache Schwimmhalle aus DDR-Zeiten zur Verfügung. Betreiber sind die Stadtwerke, teilte eine Sprecherin mit. Gebaut vor 45 Jahren und 2008/09 komplett saniert, verfüge die Halle nur über ein klassisches 25-Meter-Becken. Genutzt werde das Bad fast ausschließlich zum Schul- und Vereinsschwimmen. Zeiten für die öffentliche Nutzung seien nur in geringem Maße vorhanden. Jährlich fließen rund 70 000 Euro in die Instandhaltung der Halle, wie es hieß. Etwa 80 000 Gäste zähle das Bad pro Jahr bei stabilen Eintrittspreisen zwischen 1,55 und 2,60 Euro.

Eintritt bringt die Kosten ein

In Güstrow betreiben die Stadtwerke ein im Jahr 2000 errichtetes Freizeitbad. Eine Erweiterung sei weder geplant noch wäre sie wirtschaftlich, meinte Sprecherin Juliane Fuchs. Die Preise für die „Oase“ seien bis 2012 stabil gewesen und dann nur um maximal einen Euro angehoben worden. Weitere Erhöhungen seien langfristig nicht geplant. Ohne Zuschüsse der Stadtwerke gehe es nicht, denn die Eintrittspreise erwirtschaften die laufenden Kosten bei Weitem nicht, betonte die Sprecherin. Zudem stünden teure Sanierungen in den nächsten Jahren an. Gut angenommen im Güstrower Bad würden vor allem Aquafitnesskurse, Schwimmunterricht sowie Reha-, Präventions- und Rheuma-Sport, hieß es.

Die Greifswalder Stadtwerke betreiben in der Hansestadt seit 15 Jahren ein kombiniertes Wellness-, Sport- und Freizeitbad. Rund 200 000 Sportfreunde zähle die Einrichtung jedes Jahr, erklärte eine Sprecherin. Dennoch wirtschafte der Betrieb mit Verlust, die Stadtwerke müssten 40 Prozent zu jeder Eintrittskarte zuschießen. Daher seien dieses Jahr die Eintrittspreise erhöht worden. Unter anderem wegen steigender Energiekosten war ein Minus von knapp 1,7 Millionen Euro aufgelaufen.

Auf dem Trockenen sitzen unterdessen Wasserfreunde in Röbel (Kreis Mecklenburgische Seenplatte). Wegen Sanierungsarbeiten bleibe die „Müritz-Therme“ von September 2013 bis voraussichtlich August 2014 geschlossen, heißt es. 2007 musste die Therme wegen Pilzbefalls am Dach für fast eine Million Euro überholt werden. Voriges Jahr hatte der Landkreis trotz Millionenlochs im Haushalt einen zehnjährigen Dauerzuschuss von jährlich 125 000 Euro beschlossen.