Gefahren im Verkehr:

Warum viele ältere Autofahrer potenzielle Geisterfahrer sind

Erst vor wenigen Tagen wurde die Aufstellung neuer Schilder verkündet, die MV-Autobahnen sicherer machen sollen. Doch es kam wieder zu einem Zwischenfall: Auf der A 20 war ein verwirrter 73-Jähriger in falscher Richtung unterwegs.

Trotz der neuen Schilder an MVs Autobahnauffahrten, wählte wieder ein Fahrer die falsche Richtung.
Jens Büttner Trotz der neuen Schilder an MVs Autobahnauffahrten, wählte wieder ein Fahrer die falsche Richtung.

Kaum hat Mecklenburg-Vorpommern seine Auffahrten an Autobahnen für 600 000 Euro gegen Falschfahrer aufgerüstet, ist es schon wieder passiert. Ein Geisterfahrer war in Vorpommern auf der Autobahn 20 in falscher Richtung unterwegs. Am Parkplatz Peenetal Süd endete die Fahrt des geistig verwirrten und orientierungslosen 73-Jährigen, zum Glück ohne einen gefährlichen Zusammenstoß.

Falschfahrer immer häufiger über 60 Jahre

Der Senior aus dem Landkreis Nordwestmecklenburg passt laut Winfried Schmidt in das typische Profil eines Falschfahrers. Aus der Sicht des Verkehrs-Psychologen aus Arpshagen bei Wismar sind Geisterfahrer meist durch den Einfluss von Drogen und Alkohol in ihrer Wahrnehmung gestört. Aber immer häufiger fallen Falschfahrer auf, die 60 Jahre und älter sind, sagt Schmidt. In vielen Fällen nehmen diese Autofahrer aus gesundheitlichen Gründen Medikamente. Deren Wechselwirkung vermindere teils die Fähigkeit, ein Fahrzeug sicher und aufmerksam zu führen. Der Verkehrs-Experte empfiehlt daher: Lieber den Arzt fragen, ob Medikamente die Fahreignung beeinträchtigen und sich regelmäßig untersuchen lassen. „Leider fehlt bei vielen älteren Pkw-Fahrern ein solches Problembewusstsein.“ 

Oft sind unübersichtliche Ein- und Ausfahrten schuld

Viele Falschfahrten sind laut Winfried Schmidt auch das Ergebnis unübersichtlicher Ein- und Ausfahrten an Autobahnen, Raststätten und Baustellen. Besonders nachts entstehe leicht Verwirrung. Laut Hans-Joachim Hacker, Präsident der Landesverkehrswacht MV, sollte das Bundesverkehrsministerium daher mehr gegen unachtsame Autofahrer unternehmen als bisher. Zwar seien die jüngsten Maßnahmen gegen Falschfahrer in MV löblich, sagt Hacker. Aber viel mehr würden große Warnschilder mit einer Stopp-Hand gegen Geisterfahrer helfen.

Zahl der Geisterfahrer steigt

Ein Blick in die Statistik gibt Hacker recht. Wurden 2011 laut Bundesanstalt für Straßenwesen bundesweit 1900 Falschfahrer registriert, spricht der ADAC mittlerweile von jährlich 2400 bis 2700 Geisterfahrern. Im Bereich des Polizeipräsidiums Neubrandenburg wurden im vergangenen Jahr zwei Falschfahrer wegen Gefährdung im Straßenverkehr angezeigt. In diesem Jahr gab es bisher zwei Anzeigen. Aber die Anzahl der Meldungen eines Geisterfahrers sind deutlich höher, sagt Antje Unger, Sprecherin der Polizeiinspektion Stralsund.

Wird ein Falschfahrer im Radio gemeldet, sollten Autofahrer Warnblinklicht einschalten, das Tempo reduzieren, mehr Abstand zum Vordermann herstellen, weit rechts heranfahren, nicht überholen und wenn möglich auf einen Parkplatz ausweichen, rät die Polizistin.

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