Schweinezüchter tritt Rückzug an:

Was passiert mit Straathof-Betrieben in MV?

Der Ferkelzüchter Adrianus Straathof gibt eine seiner größten Stallanlagen auf. Im Nordosten dagegen bleibt alles beim Alten.

Jens Büttner Trotz massiver Proteste, bleibt die Schweinemastanlage in Alt Tellin bestehen.

Das harte Vorgehen der Behörden gegen den unter anderem wegen Tierschutzverstößen in die Kritik geratenen Ferkelzüchter Adrianus Straathof zeigt offenbar Wirkung. Wie ein Sprecher des niederländischen Unternehmers bestätigte, wird Straathof seine Anlage in Gladau (Sachsen-Anhalt) spätestens im August dieses Jahres schließen. "Der Pächter der Anlage hat das Pachtverhältnis des Betriebes gekündigt", so seine Erklärung. Die derzeit rund 60 000 in der Zuchtanlage lebenden Tiere würden "sukzessive entstallt" und verkauft.

Das bereits im November durch den Landkreis Jerichower Land zunächst gegen Straathof als Person, später auf seinen Betrieb in Gladau ausgeweitete bundesweite Tierhaltungsverbot sei zwar nicht ursächlich für die Schließung des Betriebes, habe aber eine "entscheidende Rolle" gespielt, so der Sprecher weiter. Die Straathof-Holding hätte unter diesen Umständen eine wirtschaftliche Lösung wohl nicht für möglich gehalten.

Anlage in Alt-Tellin bleibt bestehen

Straathof-Kritiker aus dem Nordosten nahmen die Nachricht zum Anlass, die hiesigen Behörden unter Druck zu setzen. Die Bürgerinitiative "Rettet das Landleben im Tollensetal" warf ihnen vor, "offenbar keinen Anlass zu sehen, das bundesweite Tierhaltungsverbot gegen Herrn Straathof auch durchzusetzen. In MV drängt sich das Bild vom Jagdhund auf, der zur Jagd getragen werden möchte. Und dazu der Fisch, der vom Kopf her stinkt", so die Kritik der Straathof-Gegner, die sich insbesondere gegen Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) richtete.

Tatsächlich hatte dieser in Reaktion auf das gegen Straathof verhängte Tierhaltungsverbot gefordert, eine bloße Ablösung Straathofs als Geschäftsführer reiche nicht aus. Die damals von Backhaus erhofften "grundlegenden Änderungen" blieben jedoch aus. Mit Martin Straathof leitet heute ein Sohn des Ferkelzüchters die Geschäfte der drei Anlagen der Holding in MV. Ihm zur Seite steht jeweils ein zweiter Firmenchef.

Betrieben droht täglich 1500 Euro Zwangsgeld

Wie am Wochenende bekannt wurde, hat Agrarminister Backhaus Straathof ermahnt, die zur Sicherung des Tierschutzes verhängten Behördenauflagen zu erfüllen. Dazu gehöre die Benennung von Tierschutzbeauftragten für die drei Straathof-Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Backhaus galt dafür eine Frist bis zum Sonnabend, den 31. Januar. «Wir werden uns gleich in der ersten Februar-Woche mit den zuständigen Kreisbehörden zusammensetzen. Sollten keine sachkundigen Mitarbeiter für diese Aufgabe benannt worden sein, werden wir wegen Ordnungswidrigkeiten Zwangsgelder erheben», machte Backhaus deutlich.

In den behördlichen Bescheiden seien für jedes Unternehmen 1500 Euro pro Tag angedroht worden. Für ein Tierhaltungsverbot habe es in Mecklenburg-Vorpommern keine Gründe gegeben, sagte Backhaus, der sich aber kritisch zu der Größe der Zuchtanlagen äußerte. Die Straathof Holding, gegen die im Land seit 2011 laut Ministerium schon Bußgelder in Höhe von 163 000 Euro verhängt wurden, halte im Nordosten rund 48 000 Schweine. Gegenüber den Gemeindevertretern von Alt Tellin erklärte Holger Vogel, Veterinäramtsleiter in Vorpommern-Greifswald: "Ein Anlass für ein Betriebsverbot der Anlage Alt Tellin besteht zur Zeit nicht." 

Ein Straathof-Sprecher sagte, dass Mitarbeiter der Betriebe in Medow und Alt Tellin (Vorpommern-Greifswald) und Fahrbinde (Landkreis Ludwigslust-Parchim) für den Tierschutz geschult würden. Diese sollten dann die Funktionen wahrnehmen. Ab wann, ließ er offen. Außerdem machte der Sprecher klar: "Eine Schließung der bestehenden Anlagen steht nicht an und ist auch in Zukunft nicht geplant."

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