Polizei-Einsatz in Lutheran:

Wenig Licht im Dunkel von Lutheran

Will die Polizei im Fall des missglückten Einsatzes einer Spezialeinheit schwere Ermittlungsfehler vertuschen? Hinter verschlossenen Türen rang die Politik im Landtag um Aufklärung.

Bei dem Einsatz wurde ein Mann lebensgefährlich am Kopf von einem Schuss verletzt.
Michael-Günther Bölsche Bei dem Einsatz wurde ein Mann lebensgefährlich am Kopf von einem Schuss verletzt.

Der beim Einsatz einer Polizei-Spezialeinheit mit einem Kopfschuss schwer verletzte Mann ist aus dem Koma aufgewacht. Das sagte am Donnerstag sein Rechtsanwalt, Benjamin Richert. „Das Gehirn ist wohl nicht unmittelbar verletzt.“ Frühestens nächster Woche werde er mit seinem Mandanten sprechen können, der bei dem dramatischen Vorfall sein Auge verloren hat.

Ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) der Hamburger Polizei hatte vor zwei Wochen in Lutheran bei Lübz mit seinen Autos den Wagen des 27-Jährigen eingekeilt. Die Beamten wollten einen verurteilten Gewalttäter aus dem Hamburger Rotlichtmilieu festnehmen, der sich aber gar nicht in dem Auto befand.

Der Fall beschäftigte am Donnerstag auch erstmals die Landespolitik. Nach einem Bericht von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) im Innenausschuss des Landtags zeigte sich die Opposition unzufrieden mit der Informationslage. Der innenpolitische Sprecher der Linken, Peter Ritter, sagte: „Es gibt viele Ungereimtheiten.“

Waren die Beamten als Polizisten erkennbar?

Auch der Grünen-Politiker Johann-Georg Jaeger bemängelte, zentrale Fragen seien nach wie vor unklar. Beide Abgeordneten kündigten an, ihre Fraktionskollegen in Hamburg einzuschalten. „Vielleicht ist dort die Aufklärungsbereitschaft ja größer“, sagte Ritter. Innenminister Caffier verwies auf die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

„Unter Zusammenarbeit stelle ich mir etwas anderes vor“, sagte Ritter. Grünen-Abgeordneter Jaeger, hakt nach: „Ob es für den Beamten eine Gefahrenlage gab, die den Schuss gerechtfertigt hat, ist zentrale Frage der laufenden Ermittlungen und konnte im Ausschuss nicht geklärt werden.“ Unklar sei auch, ob die Sperre als Polizeisperre zu erkennen war und wann es einen Durchbruchsversuch gab.

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