Attacke auf Schafsherde:

Wenn Bello in einem Blutrausch schwelgt

Böser Wolf, guter Hund? Von wegen: Gerade mal fünf Angriffe von Wölfen auf Nutztiere sind in diesem Jahr in MV registriert worden – die Zahl der Risse durch Hunde ist nach Expertenschätzungen um ein Vielfaches höher.

Hunde töten die Beute, fressen aber – im Unterschied zum Wolf - meistens nichts davon.
Michael Hanschke Hunde töten die Beute, fressen aber – im Unterschied zum Wolf - meistens nichts davon.

Der beste Freund des Menschen ist nicht unbedingt der beste Freund von Nutztieren: „Die Angriffe durch Hunde sind grundsätzlich deutlich mehr als die durch Wölfe. Ich kenne Schaf- und Ziegenzüchter, deren Herden bis zu fünf Mal im Jahr Opfer von Hunden werden“, sagt Forstwissenschaftler Norman Stier, der für das Wolfs-Monitoring im Nordosten zuständig ist.

Bei den Hunden handle es sich vor allem um „freilaufende Tiere aus der Nachbarschaft, kaum um verwilderte Hunde“, so Stier. Auch Jagdhunde ließen ihrem Trieb ab und an freien Lauf – vor allem bei Wild. Erkennen könne man das an der Beute, erläutert der erfahrene Rissgutachter.

Bei Hundeattacken kein Schadensersatz vom Land

Zur Einordnung: Der Landesschaf- und Ziegenzuchtverband zählt 225 Mitglieder. Wenn die Herden von nur knapp der Hälfte davon auch nur zwei Mal im Jahr von Hunden angegriffen werden, sind das schon 200 Attacken.

Eine offizielle Statistik über Attacken von Hunden auf Nutztiere gibt es indes nicht. Das Landwirtschaftsministerium zählt nämlich nur die Fälle, bei denen der Wolf schon im Verdacht steht und deshalb Rissgutachter hinzugezogen wurden – in diesem Jahr 13 Mal, sagt Sprecher Constantin Marquardt. Fünf Mal waren Wölfe zweifelsfrei die Verursacher. Anders als bei einem Wolfsriss können die Halter bei Hundeattacken auch nicht auf Schadensersatz vom Land hoffen: „Das muss zivilrechtlich geregelt werden“, so Marquardt.

Ist ein Wolfswelpe bereits verstorben?

Den tausenden Hunden, die im Land gehalten werden, stehen übrigens momentan genau zwei Wolfsrudel und ein einzelner Wolf in MV gegenüber. Erstmals war in diesem Jahr Nachwuchs dokumentiert worden. Die Wolfspaare mit Welpen leben in der Lübtheener und Ueckermünder Heide. Möglicherweise hat aber schon einer der jungen Wölfe nicht überlebt: „In der Lübtheener Heide waren ursprünglich fünf Welpen per Fotofalle dokumentiert worden. Nach jüngsten Aufnahmen sind nur noch vier zeitgleich zu sehen“, berichtet Norman Stier.

Normalerweise sterben seinen Angaben nach aus jedem Wurf ein bis drei Welpen – unter anderem an Parasiten und der Staupe. Die Überlebenden wanderten schließlich in andere Gebiete ab – die einen schon nach neun, zehn Monaten, die anderen spätestens nach 22. „Das ist auch bei den Wölfen oft nur eine Charakterfrage.“

So werden Wolfs- von Hunderissen unterschieden

Das sicherste Mittel ist ein genetischer Nachweis, sagt der Landesbeauftragte für das Wolfs-Monitoring, Norman Stier. Doch es gibt auch andere Zeichen, anhand derer man Wolfs- und Hundeangriffe unterscheiden kann:

•  Hunde töten die Beute, fressen aber meistens nichts – anders als die Wölfe. Ganz sicher kann man aber nie sein, denn oft machen sich noch in derselben Nacht „Nachnutzer“, wie Füchse und Marderhunde, über die getöteten Tiere her, so dass Verwechslungen möglich sind.

•  Wölfe verschleppen in der Regel ihre Beute, um in der Ruhe der Deckung zu fressen – manchmal bis zu 200 Meter. Hunde lassen die toten Tiere an Ort und Stelle liegen, verrücken sie höchstens um zwei Meter.

•  Wölfe töten meist mit einem Biss in die Kehle, Hunde beißen wahllos in den gesamten Körper des Opfers. Doch ganz so einfach ist es auch in diesem Punkt nicht: Es kommt schon mal vor, dass Wölfe auch die Hinterläufe packen, um das Opfer zu stoppen. Jagdhunde hingegen würden auch durch Kehlbiss töten.

 Erst die Zusammenschau dieser Punkte bringt also das wahrscheinlich richtige Resultat.

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