Dicke Luft auf der Arbeit:

Wenn der neue Azubi nicht kommt

Viele Lehrstellen sind in der Region unbesetzt. Zunehmend unterschreiben junge Leute mehrere Verträge und sagen den Unternehmen nicht rechtzeitig ab. Eine Idee könnte für Änderung sorgen.

Nicht jeder Azubi tritt auch seinen Arbeitsplatz wie vereinbart an.             
Maurizio Gambarini Nicht jeder Azubi tritt auch seinen Arbeitsplatz wie vereinbart an.  

„Ich bin gespannt, ob Montag wirklich alle kommen“, gibt Uwe Kagermann zu. Der Chef des Bildungszentrums Nord des Regionalversorgers Edis erwartet neun angehende Elektroniker-Lehrlinge und einen frisch gebackenen Bachelor-Studenten aus MV und der Uckermark zum „Dienstantritt“. Er hofft, dass ihn nicht das Schicksal anderer Ausbildungsbetriebe ereilt, die vergeblich auf ihren Berufsnachwuchs warten. „Weil es mehr Lehrstellen als Bewerber gibt, unterschreiben junge Leute auch mal mehrere Verträge“, weiß er. Problematisch werde es für die Unternehmen, wenn die Bewerber einfach ohne Absage nicht erscheinen. „Das ist auch bei uns schon vorgekommen.“ Ein solches Verhalten sei aber unfair gegenüber anderen jungen Leuten auf Lehrstellensuche, weil Plätze blockiert werden.

Kagermann hat eine Idee: „Junge Leute erhalten eine Bewerbungskarte, die sie bei ihrer Unterschrift abgeben müssen.“ Das habe es schon zu DDR-Zeiten gegeben. Wer keine Karte mehr vorweisen könne, dürfen keinen Ausbildungsvertrag unterschreiben. Genau ein solches Projekt wird in diesem Jahr erstmals in Thüringen mit einer Ausbildungscard getestet. „Wir werden uns im kommenden Jahr anschauen, ob das auch was für uns wäre“, sagt Ellen Grull, Geschäftsbereichsleiterin der IHK Neubrandenburg.

Auch zwischen Müritz und Greifswalder Bodden steige die Zahl junger Leute, die nicht nur einen Vertrag unterschreiben. „Das fällt in der Region auf, weil jeder Vertrag in die Lehrrolle eingetragen wird“, erläutert sie. Tauche der Name eines Unterzeichners im Rechner zum zweiten Mal auf, werde der Vertrag nicht rechtskräftig. Diese Kollision habe es in diesem Jahr bereits in 45 Fällen gegeben, für Mitte August eine hohe Zahl, schätzt Ellen Grull ein. „Das ist möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs“, vermutet sie. Die Doppelung falle nur in der Region auf, weil die Lehrrolle nur innerhalb der Kammerbezirke geführt werde. Ein bundesweiter Abgleich findet nicht statt. Leider mangele es an Unrechtsbewusstsein für die Folgen, wenn eine Ausbildung ohne vorherige Absage nicht angetreten werde. Die jungen Leute müssten nicht mit rechtlichen Konsequenzen rechnen, bedauert die Expertin.

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung