MRSA-Keime im Krankenhaus:

Wenn Patienten Keime in die Klinik bringen

Ein Nordkurier-Leser ist besorgt darüber, dass eine Reha-Klinik in Neubrandenburg Patienten mit Keimen aufnimmt. Das lässt sich aber gar nicht verhindern, weil auch diese Patienten behandelt werden müssen. Entscheidend ist, dass die Keime sich nicht ausbreiten.

Kliniken im Kampf gegen die Keime: Um die Ausbreitung und Übertragung von multiresistenten Keimen zu verhindern, ist strikte Sterilisation und Hygiene wichtig.
Uwe Zucchi Kliniken im Kampf gegen die Keime: Um die Ausbreitung und Übertragung von multiresistenten Keimen zu verhindern, ist strikte Sterilisation und Hygiene wichtig.

Manchmal bringen die Patienten die gefährlichen Keime bereits mit: Die Bethesda-Klinik in Neubrandenburg hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 12 Patienten mit einer MRSA-Besiedlung aufgenommen und behandelt. „Die Patienten haben einen Recht darauf“, erklärt Chefärztin Barbara Bauer. Es handelte sich aber keinesfalls um Patienten mit Infektionen. „Diese sind dringend behandlungsbedürftig und werden entsprechend auch in den Akuthäusern therapiert“, erklärt die Chefärztin.

Einen Keimausbruch wie jüngst im Kieler Universitätskrankenhaus, bei denen der Erreger bei 31 Patienten nachgewiesen wurde, hat es in der Neubrandenburger Rehabilitationsklinik laut Chefärztin bislang nicht gegeben. „Es hat sich noch kein Mensch bei uns  angesteckt“, betont Bauer. Wie in vielen deutschen Kliniken wird auch in der Bethesda-Klinik standardisiert auf resistente Erreger getestet. „Das machen wie bei Neuaufnahmen aus Pflegeeinrichtungen und fremden Intensivstationen“, erläutert Bauer. Werden Patienten aus dem Neubrandenburger Bonhoeffer-Klinikum überwiesen, erfolge bereits vor der Aufnahme eine Information über eine Besiedlung mit einem multiresistenten Erregern. Dann könne schon im Vorfeld die Unterbringung in einem Einzelzimmer geplant werden.

Kittel werden als Sondermüll entsorgt

Auf die Notwendigkeit dieser sogenannten Eingangs-Screenings weisen Hygiene-Experten immer wieder hin. Schließlich könne es dann nicht passieren, dass ein Patient, der von multiresistenten Keimen befallen ist, ungeachtet im Fünf-Bett-Zimmer liegt, erklärt der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Hygieniker, Klaus-Dieter Zastrow. Eine Klinik könne sich ja nicht vor etwas schützen, von dessen Existenz sie nichts wisse.

Und was passiert, wenn Kliniken einen Patienten mit MRSA-Keimen aufgenommen haben? In erster Linie muss verhindert werden, dass sich die Erreger ausbreiten oder auf andere Klinikinsassen und Mitarbeiter übertragen werden. Die Chefärztin der der Bethesda-Klinik verweist dabei auf strikte Isolations- und Hygienemaßnahmen in ihrem Haus. Demzufolge werden Betroffene, bei denen eine Keimbesiedlung nachgewiesen wurde, in der Neubrandenburger Klinik in einem Einzelzimmer untergebracht. „Diese Patienten werden von Gruppentherapien ausgeschlossen und in ihren Zimmern therapiert“, erklärt die Chefärztin. Zu den weiteren Schutzmaßnahmen gehören laut Bauer: Mundschutz, Füßlinge, Kittelpflege und eine sorgfältige Händedesinfektion. Die Kleidung werde als Sondermüll entsorgt.

Bei den Patienten selbst „versuchen wir die Keime mit antiseptischen Mitteln und Waschungen weg zubekommen“, erklärt Bauer. Das gelingt nicht immer. Mitunter sind die Erreger dermaßen hartnäckig, dass „wir Patienten mit Keimbesiedlung auch wieder entlassen müssen“, sagt Bauer. Hausärzte, Pflegepersonal und Angehörige würden dann über den Befund informiert.

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