:

Wer passt auf die Besucher auf?

Der Nationalpark Jasmund auf Rügen ist der kleinste in Deutschland - und mit 1,5 Millionen Gästen pro Jahr einer der meistbesuchten. Ranger passen auf, dass die Natur keinen Schaden nimmt. Jetzt werden ihre Stellen reduziert. Naturschützer schlagen Alarm.

Mit rund 3000 Hektar ist der Nationalpark Jasmund der kleinste in Deutschland. Mehr als 1,5 Millionen Besucher kommen nach Angaben der Verwaltung schätzungsweise pro Jahr in den Nationalpark, so der leitende Dezernent, Ingolf Stodian.
Stefan Sauer Mit rund 3000 Hektar ist der Nationalpark Jasmund der kleinste in Deutschland. Mehr als 1,5 Millionen Besucher kommen nach Angaben der Verwaltung schätzungsweise pro Jahr in den Nationalpark, so der leitende Dezernent, Ingolf Stodian.

Sein Lieblingsplatz ist die Kreide-Steilküste südlich des Königsstuhls – dort wo sich der Buchenwald zum Meer öffnet und man seitlich den mächtigen Kreidefelsen im Blick hat. Nationalpark-Ranger Hans-Jürgen Nofz liebt seine Arbeit, vor allem wenn er auf Führungen Besucher für die Schönheiten und die Vielfalt des Nationalparks Jasmund auf Rügen interessieren kann.

Doch gerade im Sommer wandern täglich Tausende Urlauber auf dem Hochuferweg zwischen Königstuhl und Viktoriasicht. Nicht ohne Folgen: Nofz zeigt auf einen der vielen ausgetretenen illegalen Pfade. „Wir haben ein Wegegebot“, schüttelt der 56-Jährige den Kopf und weist auf die Schilder. Selbst dort, wo es gefährlich sei, würden Warnhinweise ignoriert. Dort, an Nofz Lieblingsplatz, hat die Nationalparkverwaltung vor wenigen Wochen einen 250 Meter langen Zaun mit nach oben spitz zulaufenden Holzsegmenten errichtet, um zu verhindern, dass Besucher direkt an die Abbruchkante treten. Am Ende des Zaunes gibt es bereits einen neuen Trampelpfad.

Dichtes Urlaubergewimmel

Mit rund 3000 Hektar ist der Nationalpark Jasmund der kleinste in Deutschland. Mehr als 1,5 Millionen Besucher kommen nach Schätzung der Nationalparkverwaltung pro Jahr in den Nationalpark. Das sind zwar rund zwei Millionen Besucher weniger als im benachbarten Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, erklärt der leitende Dezernent Ingolf Stodian. Weil er aber so klein sei, gilt er als der am dichtesten von Urlaubern frequentierte Nationalpark in Deutschland.

Viele Menschen auf engem Raum – das birgt Konfliktpotenzial. Schon jetzt gelingt es den Rangern kaum, alle Umweltsünder im Blick zu haben. In den kommenden Jahren wird sich die Situation weiter zuspitzen. Nationalparkleiter Stodian verliert allein 2013/2014 drei der bislang acht Ranger. Sie gehen in Rente. Ihre Stellen werden nicht mehr besetzt. Das sieht der Personalplan des Landes so vor.

Aderlass überall

Auch den anderen Nationalparks droht ein Aderlass. Landesweit werden bis 2020 knapp 30 der derzeit 161 Stellen abgebaut – sieben allein im Nationalpark Jasmund. Nach Angaben des Umweltministeriums sind vor allem Bereiche in der Forstwirtschaft, der Gebietskontrolle und der Besucherbetreuung betroffen. Zwar fällt bis 2017 die Holzbewirtschaftung weg. Doch in der Besucherbetreuung sind die Einschnitte groß. Wo es nicht möglich sei, ehrenamtliche Helfer oder private Anbieter einzusetzen, müssten Öffnungszeiten bei Besucherausstellungen und die Zahl der Führungen reduziert werden, teilte das Ministerium mit. Im Einzelfall würden auch kleinere Ausstellungen geschlossen. „Wir werden unsere Führungen stark eindampfen müssen“, sagt Stodian.

Eine Lanze für Erfahrungen in der Natur

Michael Succow, „Vater“ der ostdeutschen Nationalparks und Träger des Alternativen Nobelpreises, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. „Die persönliche Naturerfahrung ist wichtig. Ranger sind der Schlüssel dazu.“ In Zeiten, in denen Menschen an Computern sitzen und in virtuellen Welten gefangen seien, seien persönliche Erfahrungen in der Natur von großer Bedeutung. Die Besucher-Informationszentren mit aufwendigen Computeranimationen und -simulationen sieht Succow kritisch. „Die kostenintensiven Zentren können die Wanderung und die direkte Begegnung mit der Natur nicht ersetzen.“