Die Gewalt beim Fußball erlebt einen neuen Höhepunkt:

Wer will noch ins Stadion?

Rostock, Dresden, Dortmund – erneut haben Hunderte gewaltbereite Anhänger der Fußballclubs randaliert. Es gibt immer wieder Ideen, gegen Chaoten vorzugehen. Doch ein schlüssiges Konzept sucht man bislang vergebens.

Cottbuser Chaoten zünden beim Spiel am Sonntag in Dresden Pyrotechnik und verletzen dabei zwei eigene Fans.
Thomas Eisenhuth Cottbuser Chaoten zünden beim Spiel am Sonntag in Dresden Pyrotechnik und verletzen dabei zwei eigene Fans.

Der normale Fan ist der große Verlierer. „Welcher Vater kann noch ohne Angst mit seinem Sohn in ein Fußballstadion gehen?“, fragt Christian Schumacher, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Mecklenburg-Vorpommern. Schumacher gibt die Antwort gleich selbst: „Keiner. Schon vor dem Spiel muss der Fan-Schal versteckt werden, um keine Schläge der gegnerischen Anhänger abzubekommen. Und im Stadion muss man immer Angst haben, dass neben einem Pyrotechnik explodiert.“

Schumacher macht sich ernsthaft Sorgen, insbesondere auch um seine Polizisten. Denn das vergangene Fußball-Wochenende hat wieder einmal gezeigt, dass Pyrotechnik und Randale längst zum Alltag in deutschen Stadien gehören: Die Zweitliga-Partie Dynamo Dresden gegen Energie Cottbus steht zweimal kurz vorm Abbruch. Energie-Chaoten zünden Pyrotechnik und Böller. Ein Cottbusser Fan erleidet einen Asthma-Anfall, ein zweiter wird am Ohr verletzt.

Dortmunder Ultras schießen beim Derby auf Schalke Leuchtraketen in den gegnerischen Fanblock, wo auch Kinder und Frauen sitzen. Es ist wohl Glück, dass niemand verletzt wird. Schließlich Hansa Rostock, der Verein, der seit Jahren im gleichen Atemzug mit Randale genannt wird: Verbale Auseinandersetzungen gibt es am vergangenen Sonnabend zwischen den Anhängern von Hansa und dem Halleschen FC schon im Zug von Berlin nach Rostock. Bei einem Zwischenstopp in Waren kann die Polizei beide Fan-Lager voneinander trennen – Beleidigungen unter der Gürtellinie wechseln aber die Fronten. Weil rund 150 Gäste-Fans verspätet am Stadion ankommen, versuchen sie, die Kontrollen zu durchbrechen. Chaoten aus Halle, die bereits in der DKB-Arena waren, verwüsten zeitgleich Sanitärräume, reißen Wasserhähne und Waschbecken aus den Verankerungen und bewerfen Ordner und Polizei.

Traurige Bilanz eines schwarzen Samstags

Nach dem Spiel wollen sich gewaltbereite Hansa-Fans offensichtlich am Gegner rächen. Die Polizei kann die teils vermummten Hansa-Chaoten aber einkesseln. Allerdings fliegen Steine und Pyrotechnik gegen Hallesche Fans und die Beamten. Zeitweise muss sogar ein Wasserwerfer eingesetzt werden. Bilanz des Rostocker Chaos-Samstags: Acht verletzte Polizisten – einer liegt noch im Krankenhaus. Acht beschädigte Polizei-Fahrzeuge. Mehr als 30 000 Euro Sachschaden im Stadion. Und: ein neuerlicher Image-Schaden für den Fußball – insbesondere für die beiden Ostvereine Hallescher FC und Hansa Rostock.

Die Hansa-Verantwortlichen haben am Montag erst einmal mit dem Sachschaden zu tun. Die Toilettenräume sind komplett zerstört, sagt Sprecher Lorenz Kubitz. Eine Versicherung fürs Stadion gibt es nicht, der ohnehin klamme Verein muss das Geld für die Handwerker vorschießen. Die Hoffnung: Sofern die Täter durch die Polizei identifiziert sind, würde Hansa das Geld einklagen, sagt Kubitz.

Deutlich schwerer dürfte der Imageschaden zu beheben sein. Der Verein will mit Härte reagieren. „Das Verhalten einiger Fans an diesem Tag ist nicht zu tolerieren und wird Konsequenzen nach sich ziehen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Michael Dahlmann. Er kündigt weitere Stadionverbote an und zeigt sich zugleich „tief betroffen“ angesichts der verletzten Polizisten.

Cottbuser Vereinschefs gehen in die Offensive

Auch die Cottbuser Clubchefs gehen in die Offensive: „Wir werden Stadionverbote aussprechen“, sagt Energie-Sprecher Lars Töffling. Zudem werde geprüft, Strafanzeige zu stellen.

Die Chaoten aus Rostock und Halle können sich diesmal nicht sicher sein, zur Rechenschaft gezogen zu werden. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei in Rostock laufen auf Hochtouren, teilt Sprecherin Yvonne Hanske mit. Umfangreiches Videomaterial werde ausgewertet, zudem sei die Identität von knapp 160 Personen aufgenommen worden. „Wir gehen davon aus, einen Großteil der festgestellten Personen zuordnen zu können“, ist sich Yvonne Hanske sicher.

Ein härteres Vorgehen gegen gewalttätige Fußball-Rowdys fordert auch Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Schweriner Landtag. Er verlangt beispielsweise langjährige Stadionverbote für Randalierer. Hier misst Hansa offensichtlich aber mit zweierlei Maß: Aktuell gibt es 56 Stadionverbote – davon allerdings nur zwei gegen eigene Fans, sagt Hansa-Sprecher Kubitz auf Nachfrage.

„Anscheinend kommen immer die falschen Fans ins Stadion rein“, sagt Polizei-Gewerkschafter Schumacher. Die Gewalttäter rauszuhalten, sei aber allein Aufgabe des Vereins. Schumacher sieht auch Mängel bei den von Hansa Rostock engagierten Ordnungskräften: „Die Kontrollen müssen verschärft und professionellere Sicherheitsdienste eingeschaltet werden.“

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