Pläne sorgen für geteiltes Echo:

Wie der Ausbau der Straßen in MV bewertet wird

Durch die Stadt donnernde Lastwagen, Autoschlangen durch Ferienorte. Viele betroffene Kommunen sehen in Umgehungsstraßen den einzigen Ausweg. Im neuen Verkehrswegeplan sind solche Projekt  enthalten. Doch wie sinnvoll sind diese?

Ein Kritikpunkt: Die Distanz von Neubrandenburg über die Autobahn nach Berlin ist rund 70 Kilometer größer, als über die Bundesstraße 96. Letztere ist dafür sehr viel befahren.
Stefan Sauer Ein Kritikpunkt: Die Distanz von Neubrandenburg über die Autobahn nach Berlin ist rund 70 Kilometer größer, als über die Bundesstraße 96. Letztere ist dafür sehr viel befahren.

Mit Milliardeninvestitionen ist das Straßennetz in Mecklenburg-Vorpommern in den zurückliegenden 25 Jahren auf Vordermann gebracht und spürbar erweitert worden. Seit dem Jahr 2000 wurden nach Angaben des Schweriner Verkehrsministeriums im Nordosten beispielsweise für mehr als 400 Millionen Euro etwa 20 neue Ortsumfahrungen gebaut.

Der Bau von weiteren Umgehungsstraßen ist im Bundesverkehrswegeplan verankert, der bundesweit bis 2030 Investitionen von fast 270 Milliarden Euro in Straßen, Schienen und Wasserwege vorsieht und jetzt im Bundestag beraten wird. Doch sorgen die Straßenbaupläne im Nordosten für ein geteiltes Echo, wie eine
Umfrage ergab.

Verkehrsgewerbe

Das Verkehrsgewerbe im Nordosten begrüßt den Straßenausbau, beklagt aber vielfach falsche Schwerpunktsetzung. „Für Kleinstädte werden großzügige und weiträumige Umgehungen gebaut. Auf andere, weit wichtigere Projekte warten wir aber schon ewig“, sagt der Geschäftsführer des
Landesverbandes, Norbert Voigt. Als Beispiele nennt er die Stadtumfahrung für Neubrandenburg und den Ausbau der viel befahrenen B96. „Von Neubrandenburg nach Berlin sind es über die Autobahn 70 Kilometer, mehr als auf der B96. Das macht keiner freiwillig.“ Voigt beklagt auch fehlenden Planungsvorlauf im Land und jahrelange Verfahren. „Vögel und Frösche scheinen manchmal wichtiger.“

Landesverkehrsministerium

Den Vorwurf unzureichenden Planungsvorlaufs weist das Ressort von Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) zurück. So habe der Bund 2015 Finanzierungszusagen für baureife Projekte im Umfang von 2,7 Milliarden Euro gegeben. 97 Millionen davon erhalte Mecklenburg-Vorpommern. Der Anteil von 3,62 Prozent liege über dem bei der Vergabe von Bundesmitteln meist angewendeten Königsteiner Schlüssel, nach dem das Land zwei Prozent erhält.

Allerdings klagt auch das Ministerium über oft sehr lange Genehmigungsprozesse. Laut Pegel stehen neben drei laufenden Projekten 16 weitere Ortsumgehungen für den Nordosten im Bundesverkehrswegeplan und können in den nächsten 15 Jahren geplant und auch umgesetzt werden. Voraussetzung: Der Bund gibt das dafür benötigte Geld.

Bund für Umwelt und Natur

Nach Meinung des Umweltschutzverbandes BUND halten Bundes- und Landesregierung an einer überholten Strategie fest und schaden somit Mensch und Natur. „Der Bundesverkehrswegeplan ist nicht auf eine zukunftsfähige Mobilität ausgerichtet, sondern listet auch für Mecklenburg-Vorpommern überflüssige und überteuerte Straßenneubauprojekte auf“, befindet der Landesvorsitzende Mathias Grünwald.

Einzelhandelsverband

„In einigen Kommunen war die Ernüchterung groß, als die Ortsumgehung fertig war. Denn in Geschäften und Gaststätten blieb Kundschaft weg, weil kaum noch jemand durch den Ort fuhr“, berichtet Kay-Uwe Teetz vom Einzelhandelsverband in MV. Erste Städte hätten aufgrund dieser Entwicklung ihre Forderungen nach Verkehrsentlastungen überdacht.

ADAC

Nach Einschätzung des Automobil-Clubs ADAC sind die Verkehrsprobleme in MV im Vergleich zu anderen Bundesländern überschaubar. „Das Fernstraßennetz ist gut ausgebaut und in gutem Zustand. Selbst in den Reisezeiten im Sommer kommt es nur selten zu Staus“, konstatiert Christian Hieff vom ADAC Hansa.

 

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