Diskussion über Qualität des Trinkwassers:

Wie Gülle und Dünger das Wasser belasten

Experten sind sich sicher: Zu viel Nitrat im Wasser kann Krebs erregen. Die Hälfte der Grundwasser-Gebiete im Land weisen erhöhte Nitrat-Werte auf. Die Grünen schlagen Alarm.

Nitrate sind in stickstoffhaltigen Düngemitteln zu finden und ein wichtiger Pflanzennährstoff.
Patrick Pleul Nitrate sind in stickstoffhaltigen Düngemitteln zu finden und ein wichtiger Pflanzennährstoff.

Was für ein Mist! Immer wieder sind Privatbrunnen im Land mit zu hohem Nitrat-Gehalt belastet. Zuletzt stießen Experten in Friedland auf Werte von 236 Milligramm pro Liter. Der Grenzwert liegt weit darunter bei 50 Milligramm pro Liter. Ist das Trinkwasser in MV in Gefahr?

Ja, meint Grünen-Abgeordnete Ursula Karlowski und zitiert aus einem Bericht des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG): In diesem Jahr wurde die Hälfte der Grundwasser-Gebiete wegen überhöhter Schwellenwerte für Nitrat in einen schlechten Zustand eingestuft. Nitrat ist zwar nicht giftig, Experten gehen aber davon aus, dass es im Magen zu Nitrit umgewandelt werden kann. Bei einer zu hohen Dosis dieses Stoffes droht Krebs. Für Säuglinge kann Nitrit sogar tödlich sein.

Agrarminister nimmt Landwirte in Schutz

Grund genug für Karlowski, zu warnen: Landwirte würden ihre Felder übermäßig mit Nitraten in Form von chemischem Dünger, Gärresten und Gülle düngen, um ihre Erträge zu steigern. Somit wachse die Nitrat-Belastung im Grundwasser gerade an Orten mit besonders intensiver Landwirtschaft, sagt die Grünen-Politikerin. Agrarminister Till Backhaus (SPD) nimmt die Landwirte hingegen in Schutz: „Sich hinstellen und ihnen die Schuld an allem geben, geht nicht.“

Im Grundwasser seien auch andere Stoffe wie Medikamenten-Rückstände, Phosphor und Altlasten aus DDR-Zeiten. Das Trinkwasser könne dennoch ohne Gefahr genossen werden. „Die Wasserversorger sind gesetzlich dazu verpflichtet, keine Grenzwerte zu überschreiten“, sagt Backhaus. Allerdings steigen die Kosten für die Aufbereitung des Trinkwassers, wenn weiterhin zu viel gedüngt werde, argumentiert Ursula Karlowski. Das sei verantwortungslos, denn Folgekosten werden dann auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Vertragsstrafe wegen Missachtung der EU-Nitratrichtlinie

Aus diesem Grund will Agrarminister Backhaus an einem Nachsorge-Fonds arbeiten. Seine Idee: Großkonzerne aus der Pharma- und Tierindustrie, die mitverantwortlich sind für eine höhere Schadstoffbelastung des Grundwassers, an den Folgekosten zu beteiligen.

Damit ist das Nitrat-Problem allein nicht gelöst. Deutschland und somit auch MV drohen EU-Vertragsstrafen in dreistelliger Millionenhöhe wegen Missachtung der EU-Nitratrichtlinie. Deshalb drängen die Landesregierung und die Grünen nun auf eine Änderung der Düngeverordnung. Demnach sollen die Sperrzeit fürs Düngen erstmals vier Wochen länger dauern, vom 1. Oktober bis 31. Januar, und die zulässige Düngermenge reduziert werden.

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Kommentare (1)

MV tut gut: Agrarminister nimmt Landwirte in Schutz. Aber wer nimmt Verbraucher in Schutz? Wenn im Grundwasser neben erhöhten Nitratwerten in der Hälfte der Grundwasser-Gebiete "auch andere Stoffe wie Medikamenten-Rückstände, Phosphor und Altlasten aus DDR-Zeiten" zu finden sind, wieso kann der dafür zuständige Minister dann diese Pressemitteilung herausbringen: „Das Grund- und Trinkwasser in Mecklenburg-Vorpommern hat eine sehr hohe Qualität, die sich in den letzten 25 Jahren stetig verbessert hat“? Die Pressemitteilung beginnt übrigens so: „Wir müssen bei diesem Thema klarstellen, dass Grundwasser nicht gleich Trinkwasser ist. Wenn dies nicht akzeptiert wird, ist eine sachliche Diskussion nicht möglich." Der Nonsens von einer "sehr hohen Qualität" des MV-Grundwassers, wie die des Trinkwassers, scheint aus einer gespaltenen Persönlichkeit zu sprudeln, einem fragwürdigen Agrarschutz- und Verbraucherminister. Leider wird die Gülle von heute erst dann das Grundwasser erreichen, wenn dieser Minister längst über alle Berge ist.