Ermittlungsverfahren gegen SS-Sanitäter:

Wie lange ermittelt die Staatsanwaltschaft noch gegen den ehemaligen SS-Sanitäter?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit acht Monaten gegen einen ehemaligen SS-Angehörigen wegen Beihilfe zum Mord. In anderen Bundesländern wurden ähnliche Verfahren bereits eingestellt.

Im Vernichtungslager Auschwitz soll Hubert Z. SS-Sanitäter gewesen sein.
A2610 epa pap Jacek Bednarczyk Im Vernichtungslager Auschwitz soll Hubert Z. SS-Sanitäter gewesen sein.

Als die Ermittler den Tatverdächtigen in den frühen Morgenstunden festnahmen, stand auch ein Krankenwagen bereit – immerhin war der Verdächtige bereits
93 Jahre alt. Fast 70 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges vollstreckten die Polizisten in einem kleinen Dorf zwischen Altentreptow und Demmin einen Haftbefehl gegen einen mutmaßlichen NS-Verbrecher.

„Ehemaliger KZ-Sanitäter in Untersuchungshaft“, verkündete die Staatsanwalt nach der Aktion im März diesen Jahres. Anschließend war von dringendem Tatverdacht und hochdynamisch geführten Ermittlungen die Rede. Das Verfahren war von der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg ins Rollen gebracht worden, die ehemalige SS-Angehörige aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau identifiziert hatte. Daraufhin wurden Anfang des Jahres Fahnder und Ermittler in mehreren Bundesländern aktiv.

Staatsanwaltschaft hält an dem Vorwurf fest

Inzwischen sind rund acht Monate seit der Polizeiaktion gegen den ehemaligen SS-Unterscharführer verstrichen. Nach rund drei Wochen in Untersuchungshaft ist Hubert Z. seit April wieder zu Hause. Auch die Auflage, sich regelmäßig bei der Polizei zu melden, sei mittlerweile aufgehoben werden, teilte dazu sein Verteidiger Peter-Michael Diestel mit. Die Vorgehensweise der Staatsanwaltschaft hielt er bereits damals für unangemessen. „Ich bin froh, dass sie da eingelenkt hat. Das war eine vernünftige Entscheidung“, sagt Diestel.

Am Vorwurf der Beihilfe zum Mord in einer Vielzahl von Fällen hält die Staatsanwaltschaft nach wie vor fest: Hubert Z. soll als SS-Sanitäter durch seine Tätigkeit im Konzentrationslager im September 1944 den Lagerbetrieb und die Vernichtungsaktionen unterstützt haben. In dem Zeitraum seien in Auschwitz-Birkenau acht Gefangenentransporte eingetroffen – 1721 Menschen seien ermordet worden, weil sie als nicht arbeitsfähig galten. Gegen den 93-Jährigen werde weiter ermittelt – mehr lässt sich die Schweriner Staatsanwaltschaft dazu nicht entlocken.

Elf Verfahren gegen andere SS-Angehörige wurden eingestellt

Verteidiger Diestel geht mittlerweile davon aus, dass „kein Prozess mehr in Gang kommt.“ Für die erhobenen Vorwürfe gebe es nach wie vor keinerlei Anhaltspunkte. Hubert Z. ist laut Diestel auch nicht verhandlungsfähig.   

Es wäre nicht das erste Verfahren gegen einen ehemaligen SS-Angehörigen, dass so endet. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ haben die Ermittler in mehreren Bundesländern elf der 30 Verfahren gegen ehemalige SS-Angehörige aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eingestellt, weil die mutmaßlichen NS-Verbrecher nicht mehr verhandlungsfähig waren. Die Reaktion folgte prompt: Das Internationale Auschwitz-Komitee hatte die Berichte über die Einstellung von Justizverfahren gegen mutmaßliche NS-Verbrecher als „skandalös“ kritisiert.