Hilfe von außen:

So werden Streits auf die einfache Art geschlichtet

Laub vom Baum des Nachbarn, Ärger über schlechte Dienstleistungen oder ein beleidigendes „du blöde Kuh!“ – nicht jeder Zwist ist ein Fall fürs Gericht. Bei Schiedsleuten sind Einigungen schneller und günstiger zu haben – und oft mit einem besseren Gefühl für die Streithähne verbunden.

Ein Streit unter Nachbarn muss nicht unbedingt vor Gericht ausgetragen werden.
Symbolbild, Jens Schierenbeck, dpa Ein Streit unter Nachbarn muss nicht unbedingt vor Gericht ausgetragen werden.

Eine Situation, wie sie jeden Tag an jeder Ampel vorkommen kann: Ein älterer Herr im Auto will rechts abbiegen. Zwar haben Fußgänger, die seinen Bahn kreuzen könnten, auch gerade Grün, doch weit und breit ist niemand zu sehen. Der Fahrer gibt Gas, als eine junge Radfahrerin aus dem toten Winkel hinten rechts angeschossen kommt. Reifen radieren den Asphalt. Um Haaresbreite kommen die Fahrzeuge aneinander vorbei. Nichts passiert. Oder doch, denn der ältere Herr brüllt seinen Ärger über die Raserin heraus: „Du blöde Kuh!“

Als Wiebke Cornelius von den Ereignissen hört, sind einige Tage vergangen. Die Schiedsfrau leitet die Schiedsstelle Rostock Mitte und soll eine Aussprache herbeiführen – auf Antrag der Radfahrerin. Die hatte sich den Zuruf nicht gefallen lassen und Anzeige wegen Beleidigung erstattet.

„Wenn eine Strafverfolgung nicht im öffentlichen Interesse liegt, werden die Beteiligten oft an uns verwiesen“, sagt Wiebke Cornelius. Die Radlerin fordert eine Entschuldigung und eine kleine Spende für einen guten Zweck, damit der Autofahrer Schuld und Sühne zu spüren bekommt. „Die Beteiligten konnten sich über ihre gegenseitigen Vorwürfe aussprechen“, sagt die Schiedsfrau. Zum Friedensschluss kommt eine 50-Euro-Spende für einen gemeinnützigen Verein.

Nicht jeder Streit gehört vor Gericht

Mit 124 Schiedsstellen und rund 260 Schiedsfrauen und -männern besteht landesweit ein Netz von Vermittlern, die bei Zwistigkeiten vermitteln. 2014 wurden 248 Fälle bearbeitet, etwa 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor. „Bei mehr als der Hälfte der Verfahren waren sie erfolgreich“, sagt Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU). „Und das oft schon nach drei, vier Wochen.“ Mit einem neuen Faltblatt „Reden. Schlichten. Versöhnen.“ wirbt sie für die „vorgerichtliche Streitschlichtung“.

Nicht jeder Streit gehöre ans Gericht, so die Ministerin. Zumal dort Fakten und Beweise zählen und kaum Befindlichkeiten erörtert oder Ursachen beleuchtet werden. Ein Urteil schafft Gewinner und Verlierer. „Für eine Aussöhnung ist das nicht förderlich, im Gegenteil“, sagt sie. Gerade wenn Zerwürfnisse schon lange schwelen, brauche jede Partei Zeit, ihre Sicht darzulegen und Standpunkte zu überdenken.

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