Zoff im Kuhstall:

Wie viele Kälber sterben wirklich in MV?

Bauernverband und Grüne liegen im Clinch. Jetzt soll die Landesregierung Licht ins Dunkle bringen. Werden männliche Nachkommen von Kühen vernachlässigt, weil ihre Aufzucht nicht lohnt?

Wie viele Kälber nicht die Chance bekommen, zu stattlichen Rindern zu werden, ist Kern der Diskussion.
oksix - Fotolia Wie viele Kälber nicht die Chance bekommen, zu stattlichen Rindern zu werden, ist Kern der Diskussion.

Die oppositionellen Grünen im Landtag fordern jetzt mit einer Parlamentarischen Anfrage vom Landwirtschaftsministerium Auskunft über die tatsächliche Sterblichkeitsquote von Kälbern im Land. Das sagte am Mittwoch die agrarpolitische Sprecherin der Fraktion, Ursel Karlowski.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Bauernverband MV Mutmaßungen zurückgewiesen, wonach männliche Kälber von Milchkühen möglicherweise nur mangelhaft versorgt werden, weil diese geringere Marktpreise erzielten. Grund sei die Konzentration bei der Zucht auf die Milch-, aber nicht die Fleischleistung, so Karlowski.

Der Autorin Tanja Busse („Die Wegwerfkuh“) zufolge verendeten in jedem fünften Betrieb ein Viertel der Kälber unmittelbar nach der Geburt wegen mangelnder Erstversorgung. Zugleich hatte das Agrarministerium in Schwerin eine hohe Sterblichkeitsrate bei Kälbern bestätigt und Missstände in kontrollierten Höfen aufgelistet (der Nordkurier berichtete).

Sterblichkeitsrate schwankt um 5 Prozent

Die Untersuchungen liegen indes schon einige Jahre zurück und wurden dann nicht mehr fortgesetzt. Aktuelle Zahlen konnte das Ministerium daher nicht nennen.

Laut Bauernverband liegt die Totgeburtenrate bei Kälbern derzeit bei etwa sieben Prozent, die Sterblichkeitsrate lebend geborener Kälber schwankt um fünf Prozent. „Das kann im Einzelfall aber auch deutlich höher ausfallen. An diesem Punkt wird natürlich ständig gearbeitet“, so Vizepräsident Gerd Göldnitz.

Übrigens hätten die Behörden durch die Melde- und Kennzeichnungspflicht der Rinderhalter jederzeit die Möglichkeit, negativen Auffälligkeiten nachzugehen, sagte er unserer Zeitung. Die Angaben der Buchautorin Busse zweifelte Göldnitz an. Er räumte aber ein, dass es bis 2008 Probleme mit der Kälbergesundheit gab. Diese seien überwunden, teilweise durch Umbauten der Ställe.

Milchbauern stecken in einer schweren Lage

Doch Grünen-Abgeordnete Ursel Karlowski will es ganz genau wissen: „Leider gibt es viele offene Fragen. So habe ich bislang keine Informationen darüber, wie sich die Kälbersterblichkeit seit 2001 entwickelt hat und ob die damals festgestellten Missstände abgestellt werden konnten“, sagte sie.

Es gehe auch darum, ein System zu hinterfragen, das vorgebe, besonders effizient zu sein, bei dem aber die Tiere und immer mehr Milchbauern auf der Strecke bleiben, begründet sie ihre aktuelle Kleine Anfrage.

Es sei offenkundig, dass sich die Milchbauern in einer ungeheuer schwierigen wirtschaftlichen Situation befänden. Immer wieder drehten die Molkereien an der Preisschraube. Und die Investitionen in Stallgebäude, Technik, Medikamente und Futtermittel für Hochleistungskühe seien besonders kostenintensiv. Hinzu kämen die Ausgaben für männliche Kälber von Milch-Hochleistungsrassen: „Die Kosten, die ein Kalb durch Geburt und Aufzucht verursacht, werden durch den Verkauf mit etwas Glück gerade so gedeckt, von Gewinn kann man kaum sprechen“, so die Abgeordnete.

 

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