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Sind diese Fotos aus Schweineställen zynisch?

Eine Fotoausstellung in der Hochschule Neubrandenburg sorgt für Wirbel. An den Bildern, die auf Hochglanz die Schweinehaltung in der Landwirtschaft zeigen sollen, scheiden sich aber die Geister.

So idyllisch kann Schweinehaltung aussehen, wenn sie anheimelnd genug ins Bild gesetzt wird – wie in einer Ausstellung in der Hochschule Neubrandenburg. Foto: Lebensmittelwirtschaft/Ralf Baumgarten
So idyllisch kann Schweinehaltung aussehen, wenn sie anheimelnd genug ins Bild gesetzt wird – wie in einer Ausstellung in der Hochschule Neubrandenburg. Foto: Lebensmittelwirtschaft/Ralf Baumgarten

Günter Hegewald betrachtet die Fotos mit Argwohn: „Da wird nur das gezeigt, wie es aussehen sollte.“ Der Anwohner der Tierfabrik des umstrittenen Investors Adrianus Straathof in Alt Tellin schaut sich in der Hochschule Neubrandenburg die 18 Fotos an, die dort derzeit in der Ausstellung „Schweine – Masse und Klasse?!“ gezeigt werden. „Stroh habe ich bei uns nicht gesehen“, vergleicht er das Schweine-Idyll auf einem der Bilder mit eigenen Beobachtungen im Straathof-Großstall.

Fotos, die Hegewald realistischer gefunden hätte, waren vor der offiziellen Eröffnung am Dienstag zumindest zeitweilig auch im Foyer von Haus 2 der Hochschule zu sehen. Unbekannte hatte unter die Hochglanzfotos, die im Auftrag des Lobby-Vereins „Die Lebensmittelwirtschaft“ angefertigt worden waren, ein paar Computerausdrucke angebracht. Zu sehen waren darauf ungeschminkt das Innere eines Riesenstalls ebenso wie verdreckte Schweine in engen Boxen. Rechtzeitig vor den Festreden waren die „falschen“ Fotos wieder entfernt worden.

Die Gräben zwischen Landwirtschaft und Tierschützer sind tief

Bauernverband und Hochschule veranstalten gemeinsam die Ausstellung. „Wir wollen damit zum sachlichen Austausch beitragen“, begründet Rektor Micha Teuscher die Aktion. Die Hochschule mit ihrem Forschungsschwerpunkt Ernährung und Gesundheit verstehe sich als Ort der Kommunikation, so der Professor. Doch die Gräben zwischen den Verfechtern der konventionellen Landwirtschaft und Umweltschützern sind tief, wie die emotionale Debatte im Forum unmittelbar nach Ausstellungseröffnung klarmachte.

An Zuschauern mangelt es im voll besetzten Hörsaal nicht, in dem auch die Treppenstufen als Sitzgelegenheit dienen. Lassen sich Klasse und Masse in der Viehhaltung überhaupt in Einklang bringen? Einer Antwort auf diese Frage kommt das Publikum nur wenig näher. Landesbauernpräsident Rainer Tietböhl und Agrarminister Till Backhaus (SPD) zeigen sich dünnhäutig  ziehen den Sachverstand von BUND-Landeschefin Corinna Cwielag und Ulrich Ketelhodt, Agrarexperte der Nordkirche in Zweifel – unter lautem Murren vieler junger Zuhörer.

Ackerbau dient als finanzieller Ausgleich - Fleisch ist zu billig

Sachlich bleibt dagegen Landwirt Ulrich Söhnholz, der bei Kühlungsborn einen Familienbetrieb führt und 270 Sauen sowie 680 Mastplätze im Stall hat. „Wir sind Unternehmer und wollen ordentlich Geld verdienen“, stellt er klar. Der Betrieb könne Schweine nicht an die Schlachthöfe nicht verkaufen, wenn die Qualität nicht stimme. „Wenn der Handel es will und die Verbraucher höhere Preise zahlen, würden wir sofort auch mit weniger Schweinen klar kommen“, erklärt er. Derzeit seien die Fleischpreise dermaßen im Keller, das nur der Ackerbau als Ausgleich dienen müsse.

„Es wird immer so getan, als ob die Landwirtschaft Mecklenburg-Vorpommern in den Abgrund reißen würde“, regt sich Minister Backhaus auf – nachdem seine Kontrahentin Corinna Cwielag zuvor auf die Umweltbelastungen durch Großställe beklagt hatte. Backhaus spricht sich für festgelegte Obergrenzen in der Tierhaltung aus und sieht dabei die Bundesregierung in der Pflicht. „Wenn wir die Schweine nicht im Land produzieren, kommt das Fleisch von woanders her. Gegessen wird nicht weniger“, warnt Bauernpräsident Tietböhl.