Usedom im Mode-Rausch:

Witziger Nordlook gewinnt „Baltic Fashion Award“

Ironie siegt über Düsternis: Mit ihrer bunten Kollektion „Hasen mit Meer“ gewinnt die Deutsche Anna Bornhold den diesjährigen „Baltic Fashion Award“. Der Ostsee-Modepreis wurde zum 13. Mal auf Usedom vergeben - doch seine Zukunft ist unklar.

Der Ostsee-Modepreis wurde in diesem Jahr an die deutsche Designerin Anna Bornhold (r.) vergeben, die mit ihrer humorvollen Kollektion „Hasen mit Meer“ überzeugen konnte.
Stefan Sauer Der Ostsee-Modepreis wurde in diesem Jahr an die deutsche Designerin Anna Bornhold (r.) vergeben, die mit ihrer humorvollen Kollektion „Hasen mit Meer“ überzeugen konnte.

Glamour, Glanz und gute Laune auf dem Laufsteg, Sorgenfalten hinter der Bühne: Der Ostsee-Modepreis „Baltic Fashion Award“ ist am Samstag zum 13. Mal auf der Insel Usedom vergeben worden. Der mit 10 000 Euro dotierte erste Preis ging an die humorvolle Kollektion von Anna Bornhold mit dem Namen „Hasen mit Meer“. Jury und Publikum waren sich einig: Mit ihrer Männerkollektion aus buntem Strick und Filz sowie den frechen Bommelmützen eroberte die Oldenburgerin auch die Herzen der 400 Zuschauer und erhielt den Publikumspreis im ausverkauften Kaiserbäder-Saal.

Der zweite und mit 7500 Euro dotierte Preis ging an den deutschen, in London lebenden Designer Florian Wowretzko für seine religiös inspirierte Männerkollektion „Ecce Homme“ im Priester- und Kriegerlook. Den dritten Platz teilten sich der dänische Designer Mads Dinesen und die deutsche Modeschöpferin Katharina Buczek.

Während auf der Bühne Witz und Leichtigkeit über klassische Eleganz und bedeutungsschwere Schwarz-Weiß-Düsternis siegten, sind die Organisatoren besorgt, dass der diesjährige „Baltic Fashion Award“ der letzte sein könnte. Alles hängt an der Gemeinde Heringsdorf, die mit 120 000 von 300 000 Euro einen entscheidenden Teil der Kosten für die prestigeträchtige Veranstaltung übernimmt. In dem Seebad mit seinen knappen Finanzen streitet man darüber, ob das Geld in dem internationalen Modeevent gut angelegt ist. „Ob es weitergeht, muss die neue Gemeindevertretung nach der Kommunalwahl entscheiden“, sagte Bürgermeister Lars Petersen. „Ich würde es mir wünschen.“

Nachwuchs-Designer betrachteten Preis als Sprungbrett

Das Schweriner Kultusministerium hatte sich in diesem Jahr als Sponsor des zweiten Preises zurückgezogen. Kurzfristig sprang die Usedom Tourismus GmbH ein. Das Wirtschaftsministerium - Stifter des mit 10 000 Euro dotierten Hauptpreises - steht weiter zum „Baltic Fashion Award“. „Der Modewettbewerb bringt dem Land mehr, als man glaubt“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Stephan Rudolph. Allerdings wünscht auch er sich ein stärkeres Engagement der Textil- und Modewirtschaft. „Der Wettbewerb muss auf soliden Schultern stehen.“

Der „Baltic Fashion Award“ hat sich inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal erkämpft. Die Auszeichnung gilt als einziger internationaler Modepreis in der gesamten Ostseeregion - dieses Jahr nahmen Jungdesigner aus sechs Ländern teil. Nachwuchsmodeschöpfer betrachteten den Preis als Sprungbrett, sagte der künstlerische Leiter Andrej Subarew. Die internationale Jury war hochkarätig besetzt: Neben Alexander Krenn, Chefdesigner von Vivienne Westwood, zählten auch der französische Textilprofessor Steen Halbro und die dänische Modeprofessorin Ann-Merete Ohrt zu den Preisrichtern.

2013 hatte sich der „Baltic Fashion Award“ eine Verjüngungskur verordnet. Ein Film über den Modepreis lief als Schleife in 200 deutschen Filialen einer großen Friseur-Kette, der Internetauftritt wurde überarbeitet, ebenso die alljährliche Präsenz auf der „Mercedes Benz Fashion Week“ in Berlin. Die Veranstaltungsagentur Triad behauptet, dass 3,8 Millionen Menschen im vergangenen Jahr mit der Marke „Baltic Fashion“ in Kontakt gekommen seien.

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