Öffentliche Toiletten

Wo geht´s hier zum stillen Örtchen?

Man braucht sie nie. Aber wenn man sie doch braucht, sollte bitte sofort eine in der Nähe sein: Öffentliche Toiletten. Eine Bestandsaufnahme mit freundlichen Gastronomen, frustrierten Gemeinden und einer neuen WC-Aktion.

Wer muss, der darf hier: Bei Christin Fleischhauer vom Café Boulevard in Neubrandenburg dürfen gern auch Nicht-Gäste das WC benutzen. Darauf weist die grüne "City WC"-Plakette hin.  
Jörg Döbereiner Wer muss, der darf hier: Bei Christin Fleischhauer vom Café Boulevard in Neubrandenburg dürfen gern auch Nicht-Gäste das WC benutzen. Darauf weist die grüne "City WC"-Plakette hin.  

„Nein“, ist die Antwort der Neubrandenburgerin, die vom Treptower Tor in Richtung Innenstadt unterwegs ist – eine Aktion namens „City WC“, davon hat sie noch nie gehört. Bei manchen hat es sich eben noch nicht herumgesprochen: Wem in der Öffentlichkeit die Blase drückt, hat es seit September leichter in Neubrandenburg. Mit grünen Plaketten zeigen Gastronomen und Geschäftsleute an, dass man kein Gast sein muss, um die Toilette benutzen zu dürfen. Die Anzahl der öffentlichen Toiletten in Neubrandenburg (63  500 Einwohner) hat sich durch die Aktion auf zwölf erhöht – hinzu kommen die WCs der Einkaufscenter wie Kaufhof oder C&A, ein weiteres ist mit dem HKB in Planung.

In anderen Städten der Region gibt es deutlich weniger öffentliche Toiletten pro Einwohner. Pasewalk (10  600 Einwohner) hat nur ein öffentliches WC, in Neustrelitz (20  300 Einwohner) sind es drei. Immerhin soll hier bis zum kommenden Jahr ein weiteres am Bahnhof gebaut werden, nach großen Diskussionen um den genauen Standort. Damit sieht die Stadt den Bedarf gedeckt. „Für eine Stadt wie Neustrelitz haben wir – wenn die Bahnhofstoilette fertig ist -–ausreichend Toiletten“, sagt Petra Ludewig von der Pressestelle der Stadt.

Türen eingetreten, Deckel herausgerissen

Ähnlich sieht man das in Teterow, wo zwei öffentliche WCs stehen. „Es gibt sicherlich mal Engpässe, wenn ein Reisebus kommt, aber in aller Regel regelt sich das von selbst“, meint Robert Meink von der Stadtverwaltung. Ein Projekt ähnlich wie in Neubrandenburg ist in keiner der größeren Städte in der Region geplant. Auch wenn es in Waren dafür offenbar schon Ansätze gibt. „Das ist bei uns seit längerer Zeit eine Diskussion“, sagt Gabriele Daedelow, in Waren zuständig für die Stadtentwicklung. Zwar stellten manche Gastronomen ihre Toilette bereits gegen ein Entgelt zur Verfügung, doch sei angedacht, dieses Angebot auszuweiten und unter eine feste Marke zu stellen: „Nette Toilette“ soll das Projekt heißen. Ob es irgendwann Realität wird, ist unklar. 

Mit ihrem Entgegenkommen erleichtern die Gastronomen den Städten eine Aufgabe, die manchmal nervtötend ist. „Wir hatten schon Vandalismus verschiedenster Art“, erklärt Gabriele Daedelow. Hässliche Schmierereien sind da noch das Harmloseste. Von eingetretenen Türen, herausgerissenen WC-Deckeln und Kokeleien berichten die Betreiber der WCs. In Anklam hat die Stadt deswegen die Reißleine gezogen – und eine öffentliche Toilette in der Südstadt aufgegeben. Die Reparaturkosten nahmen schlichtweg überhand. „Wir haben sehr viel Vandalismus, müssen da sehr viel Geld reinstecken“, meint Kerstin Stoll von der Stadt. Das Neubrandenburger Projekt City WC hält sie für eine „gute Idee“.

Gastronomen setzen auf Kooperation

Eine gute Idee – das würde Sandra Granzow wohl unterschreiben. Die Inhaberin des Café Boulevard in der Neubrandenburger Innenstadt musste nicht lange überlegen, bevor sie sich an der Aktion beteiligte. „Ich hatte schon vorher einen Zettel an der Tür: Für Gäste kostenlos, alle anderen 50 Cent“, sagt Sandra Granzow. Für sie ändert sich damit also nichts. Nur die Neubrandenburger Passanten sehen auf den ersten Blick an der grünen Plakette, dass „Fremdpinkeln“ hier erlaubt ist. „Das gestaltet es für manche einfacher, weil man ja doch manchmal etwas geniert ist“, meint die Gastronomin. Trotz des Hinweises hätten bisher genauso viele Besucher ihre Toilette besucht wie zuvor. Und genauso viele zahlen gern den kleinen Obolus: „Das ist letztlich eine freiwillige Geschichte, die allermeisten machen das.“ 

Auf Freiwilligkeit und Kooperation setzt auch Manuela Beyer vom Torcafe in Neubrandenburg. Auch sie ist bei City WC dabei und kann über die entsprechende Internetseite gefunden werden. Auf eine grüne Plakette an der Tür verzichtet sie aber bewusst. „Ich bin seit über 30 Jahren in der Gastronomie“, sagt sie. „Wenn jemand höflich bei mir fragt, ob er auf die Toilette gehen kann, hat er noch immer ein höfliches „Ja“ bekommen. Das gehört für mich zu einem ganz normalen Miteinander dazu.“

 

Informationen zur Aktion City WC und öffentlichen Toiletten in Neubrandenburg gibt es unter www.citywc-nb.de

Weiterführende Links