Gefahr in der Dämmerung:

Zahl der Wildunfälle im Nordosten steigt rasant

Wildunfälle passieren auf den Straßen in MV und Brandenburg immer häufiger - und werden immer teurer. Könnten Warnreflektoren diesem Trend entgegenwirken?

Wenn die Dämmerung einsetzt, heißt es runter vom Gas und Vorsicht walten lassen. Wildtiere kehren zu dieser Zeit von ihren Nahrungsgebieten zurück.
Fredrik von Erichsen Wenn die Dämmerung einsetzt, heißt es runter vom Gas und Vorsicht walten lassen. Wildtiere kehren zu dieser Zeit von ihren Nahrungsgebieten zurück.

Ein Auto liegt im Straßengraben. Der Fahrer befreit sich unverletzt aus dem Wrack. 60  000 Euro Schaden und ein totes Reh auf der Fahrbahn. Dieser Unfall passierte zwischen Löcknitz und Brüssow. Fast täglich nehmen Polizisten im Nordosten Unfälle mit Wildtieren auf. Die Zahlen aus den Innenministerien in Schwerin und Potsdam belegen es: Jährlich gibt es mehr Unfälle mit Wildtieren. Zwischen 2013 und 2014 stieg die Zahl der Unfälle in MV um 32 auf 2732; Daten für 2015 liegen in MV derzeit nicht vor. In Brandenburg gab es nach einem Rückgang 2014 im vergangenen Jahr sogar 1156 Zusammenstöße mehr.

Das sogenannte Schalenwild, also Wildschweine, Hirsche und Rehe, kommt besonders häufig unter die Räder, vor allem in der Dämmerung. Der Bestand in MV ist hoch. „Wir müssen es allerdings nicht massiv bejagen, um die Anzahl zu verringern. So lassen sich die Unfälle auch nicht alle verhindern“, sagte Henning Voigt vom Landesjagdverband MV. Anders sieht das Mathias Graf von Schwerin, Vorsitzender des ökologischen Jagdvereins Brandenburg. Für ihn steht fest, dass es zu viel Schalenwild gibt. Deswegen sind die Jäger gefordert, den Bestand zu reduzieren.

In MV stehen vorrangig Wildschutzzäune an den Autobahnen und Landesstraßen. „Das Aufstellen dieser Zäune ist allerdings ein Eingriff in den Naturraum“, sagte Juliane Schultz, Sprecherin vom Verkehrsministerium. Deswegen diskutiert das Ministerium die Ausstattung mit den blauen Wildwarnreflektoren, wartet aber noch auf Ergebnisse einer Studie. Diese Reflektoren werden so angebracht, dass sie einfallendes Scheinwerferlicht abstrahlen, sodass die Wildtiere nicht weiterlaufen.

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