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Zoff zwischen Rostock und Neustrelitz

Der ehemalige Landtagsabgeordnete Körner steht in der Kritik. Eine Rostocker Bürgerschaftsabgeordnete unterstellt ihm, den Intendanten Latchinian ans Messer geliefert zu haben.

Sewan Latchinian, Intendant des Rostocker Volkstheaters, hat mit seinen Äußerungen provoziert.
Bernd Wüstneck Sewan Latchinian, Intendant des Rostocker Volkstheaters, hat mit seinen Äußerungen provoziert.

Zehn Tage nach der Demo vor dem Neustrelitzer Theater am 9. März wandte sich der ehemalige Neustrelitzer Landtagsabgeordnete Klaus-Michael Körner (SPD) an Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und Stadtvertreter der Hansestadt. Körner setzte sie von der Rede Sewan Latchinians in Kenntnis. Unter anderem habe der Rostocker Intendant Kulturpolitiker aus MV mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verglichen, die Kulturgüter zerstöre. Morgen will die Bürgerschaft nun auf Antrag Methlings sogar über die Abberufung Latchinians befinden.

Bürgerschaftsabgeordnete Sybille Bachmann (parteilos) kritisiert Körner heftig für seinen Brief. „Wie stehen Sie dazu, dass Ihre Mail und Ihr Schreiben als Anlass für die Abberufung eines Intendanten herangezogen werden“, fragt Bachmann in ihrem Offenen Brief Klaus-Michael Körner. Sie wirft ihm vor, an der „gezielten Strategie der Entfernung eines unliebsamen Intendanten“ mitzuarbeiten.

Körner fühlte sich persönlich angegriffen

Körner wies die Vorwürfe am Sonntag zurück. Wie Latchinian berief er sich auf die Meinungsfreiheit: „Sollte etwa die Meinungsfreiheit eines Demonstrationsredners höheres Recht sein als die eines Zuhörers oder Briefeschreibers? Meinungsfreiheit hat jedoch immer auch Grenzen. Und die hat Herr Latchinian wohl deutlich überschritten“, erklärte Körner gegenüber Bachmann. Er habe sich als Neustrelitzer Stadtvertreter persönlich angegriffen gefühlt und sei „von Herrn Latchinian immer wieder in die Reihe Ulbricht – IS – Kulturzerstörung gesetzt“ worden. Dass er Schuld sein solle an der Entwicklung in Rostock, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Der Grund für den Konflikt „sind die Äußerungen von Herrn Latchinian. Ohne diese Äußerungen gäbe es keinen Brief und keinen Konflikt“.

Eine Stunde vor der Sitzung des Hauptausschusses der Rostocker Bürgerschaft, in der über die Abberufung Latchinians beraten werden soll, hat der Verein Freunde und Förderer des Volkstheaters für morgen 16 Uhr zu einer Pro Intendant-Demonstration auf dem Neuen Markt aufgerufen.

Doch schnelle Einigung der Stadtvertreter?

In Neubrandenburg scheint wieder Bewegung in die Theater-Debatte zu kommen. Noch am vergangenen Donnerstag hatte die Stadtvertretung die Entscheidung zur Fusion überraschend auf die lange Bank geschoben. Insbesondere, weil sich das Gros der SPD-Fraktion der Stimme enthalten hatte, sollten sich noch einmal die Ausschüsse mit dem Thema befassen. Bis zur Sommerpause wollten sich die Stadtvertreter auf Antrag der Linksfraktion Zeit lassen mit ihrer Entscheidung. Doch schon einen Tag später gab es eine Kehrtwende: SPD-Fraktionschef Roman Oppermann reichte bei Stadtpräsidentin Irina Parlow (Linke) einen Antrag für eine Sondersitzung in den kommenden 14 Tagen ein, wie Fraktionsmitglied Michael Stieber am Sonntag bestätigte. Einziger Tagesordnungspunkt: die Theaterreform.

Zuvor hatte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) gegenüber dem Nordkurier gewarnt, die Entscheidung zu verzögern. Damit werde die Auszahlung einer durch die Theater- und Orchester GmbH Neubrandenburg-Neustrelitz (TOG) dringend benötigten Soforthilfe von mehr als 700 000 Euro gefährdet.

Die Stadtvertretung Neubrandenburg steht wie die anderen TOG-Gesellschafter Landkreis Mecklenburgische Seenplatte und Stadt Neustrelitz vor der Frage, ob sie sich für das Eckpunktepapier der Landesregierung und damit die Fusion mit dem Theater Vorpommern (Greifswald, Stralsund) entscheidet. Oder aber ob sie für ein Solidarmodell votiert, das die Eigenständigkeit garantieren soll, laut Gutachten aber auf höhere Zuschüsse für die Kommunen hinausläuft. Der Kreistag soll heute befinden.