:

Zollbeamter will von nichts gewusst haben

Der Fall eines heimlichen Neonazi-Treffens in Rossow macht deutlich: Vermieter sollten sich ihre Kundschaft genau ansehen. Der Organisator des Treibens indes ist ein alter Bekannter.

Die ehemalige Gaststätte in Rossow wurde am Abend des 29.12.2013 zum Domizil für Rechtsextreme aus dem ganzen Land.
Rita Nitsch Die ehemalige Gaststätte in Rossow wurde am Abend des 29.12.2013 zum Domizil für Rechtsextreme aus dem ganzen Land.

Der Name Dirk Bahlmann sollte in der Gegend östlich von Pasewalk geläufig sein. Fiel der NPD-Kreistagsabgeordnete in der Vergangenheit doch weniger durch politische Akzente, sondern eher durch seine engen Kontakte in die mitunter gewaltbereite Kameradschaftsszene der Uecker-Randow-Region auf. So war Bahlmann an den Übergriffen auf Demonstranten während einer Greifswalder Kreistagssitzung beteiligt, wurde am Rande der Angriffe von Rechtsextremen auf Polizisten infolge eines verhinderten Nazikonzerts bei Viereck gesehen. All das hinderte Vermieter einer ehemaligen Gaststätte nicht daran, ausgerechnet Bahlmann ihren Festsaal zur Ausrichtung einer „privaten Geburtstagsfeier“ zu vermieten.

Die Bilanz der Veranstaltung am Abend des 29. Dezember liest sich wenig feierlich. Vielmehr hatte die Polizei vor dem Saal etwa 40 Fahrzeuge aus dem gesamten norddeutschen Raum festgestellt, darunter laut Nordkurier-Informationen auch Wagen aus Bayern, Thüringen und Niedersachsen. „Die Insassen waren alle szenerelevant“, sagt dazu Andreas Scholz vom Neubrandenburger Polizeipräsidium. Unter ihnen befand sich auch „bekannte Klientel“ der extremen Rechten aus der Region. Zudem kursiert unter Szenekennern der Verdacht, in dem gut 450 Quadratmeter großen Saal hätte ein Benefizkonzert für den derzeit im Münchener NSU-Verfahren Angeklagten Ralf Wohlleben stattgefunden.

Vermieterin Ines Riemer, die all das weder bestätigt noch dementiert, erklärte: „Den Mietvertrag unterschrieben hat Dirk Bahlmann, er wollte eine private Geburtstagsfeier geben.“ Ein Problem damit, den Raum ausgerechnet an Bahlmann zu vermieten, hatte sie nicht. Wichtig war ihr jedoch eines: „Mein Mann hat damit nichts zu tun.“ Ihr Ehemann Torsten Riemer, Beamter des Zollamtes Neubrandenburg, war nach Bekanntwerden der konspirativen Veranstaltung von Neonazis rasch in die Kritik geraten. „Mein Telefon stand am Wochenende nicht still“, so Torsten Riemer. Dabei seien die Vorwürfe gegen seine Person unberechtigt. „Ich wusste von nichts, war an dem Abend nicht einmal selber vor Ort.“ Die Vermietung der Räumlichkeiten in der ehemaligen Rossower Gaststätte sei Sache seiner Frau, so Riemer weiter.

Weiterführende Links