Vogelgrippe im Nordosten:

Züchter sauer über Stubenarrest für edle Vögel

Wegen der Schutzmaßnahmen vor der Vogelgrippe sind viele Ausstellungen für Rassegeflügel ausgefallen. Die Züchter bangen um ihre Zukunft.

Elmar Titze züchtet seltene Vorwerk-Hühner. Wegen der Vogelgrippe mussten die Tiere in den Stall.
Bernd Wüstneck Elmar Titze züchtet seltene Vorwerk-Hühner. Wegen der Vogelgrippe mussten die Tiere in den Stall.

Die Rassegeflügelzüchter in Mecklenburg-Vorpommern sind enttäuscht. „Die Ausstellungssaison ist gelaufen. Doch außer Spesen nichts gewesen“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Rassegeflügelzüchter, Martin Piehl.

Wegen der Beschränkungen zum Schutz vor der Vogelgrippe seien die meisten der bis Februar geplanten 80 Präsentationen ausgefallen. Seit dem ersten Ausbruch der Geflügelpest mit dem hochansteckenden Virus H5N8 im November in Vorpommern traten immer wieder Seuchenfälle auf, darunter im Rostocker Zoo.

Stallpflicht bekommt den Vögeln nicht

In Mecklenburg-Vorpommern gilt in Risikogebieten seit November die Stallpflicht. „Darauf sind viele unserer seltenen Rassen gar nicht eingestellt. Sie leben nahezu ausschließlich im Freien“, sagt Piehl. Ställe seien ihnen ein Gräuel. Entsprechend schlecht würden sie aussehen und könnten auf Ausstellungen gar nicht mehr bestehen.

Das bestätigt der Züchter der seltenen Vorwerk-Hühner Elmar Titze in Klein Markow (Landkreis Rostock). Seine Hennen litten ebenfalls unter dem „Stubenarrest“, sagte er. Ihr Gesundheitszustand verschlechtere sich, die Legeleistung lasse nach. Er bezweifelt zudem, dass Zugvögel das Virus eingeschleppt haben und macht eher das Futter dafür verantwortlich. Seine Hühner bekommen daher kein Fertigfutter, sondern eigenes Getreide, Kartoffeln, Möhren und Erbsen.

Austritte aus Verband sind an der Tagesordnung

Züchter Piehl kritisiert zudem die vom Schweriner Agrarministerium geforderten Vorsorgeuntersuchungen und Transportbestimmungen für Geflügel. Dies sei vielen Züchtern zu aufwendig und zu kostspielig. Austritte aus dem Verband seien inzwischen an der Tagesordnung. „Uns gehen wichtige Gen-Reserven für immer verloren. Bei einer ähnlichen Situation 2006 haben 15 Prozent unserer Mitglieder Schluss gemacht. „Diesmal könnte es noch schlimmer kommen“, befürchtet Piehl.

Seit Wochen dringen vor allem Hobbyzüchter auf differenziertere Schutzmaßnahmen. „Es muss Unterschiede geben zwischen uns und der gewerblichen Tierhaltung“, fordert Piehl.

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