Steinmetze stellen ihr Handwerk vor:

600-Kilo-Findling mit 60 Schlägen sauber gespaltet

Steinschlagen – das darf beim Patronatsfest der Steinmetze nicht fehlen. Sie treffen sich einmal im Jahr in familiärer Runde und lassen dabei auch alte Traditionen aufleben.

Hier wird gewettet. Eckhard Paepke lässt schätzen, wie viele Schläge nötig sind, bis der Stein in zwei Hälften auseinander bricht.
Simone Pagenkopf Hier wird gewettet. Eckhard Paepke lässt schätzen, wie viele Schläge nötig sind, bis der Stein in zwei Hälften auseinander bricht.

 „Ich sage gern, wir sind das zweitälteste Gewerbe.“ Edwin Rumpel schmunzelt. Auf jeden Fall zählt sein Beruf zu den ältesten der Menschheit. Steinmetz ist er, außerdem Obermeister der Landesinnung Steinmetze Mecklenburg-Vorpommern, und „steinverrückt“, wie er gesteht. Da guckt er natürlich genau hin, wie Stein verarbeitet ist. Auch in der Wassermühle Ziddorf. Teilweise mögen hier mit einem Handbohrer Löcher in die Feldsteine gedreht worden sein oder der Meißel wurde angesetzt, um die Steine zu spalten. „Man sieht die Spuren von Leuten, die den Stein bearbeitet haben. Das bleibt einfach“, lässt Edwin Rumpel die Hand über das Gemäuer gleiten.

Die Wassermühle hatten sich die Steinmetze für ihr diesjähriges Patronatsfest ausgesucht. Als der Obermeister das vor sieben Jahren ins Leben geruffen hatte, war ihm vor allem daran gelegen, eine Art Familientreffen zu etablieren und Traditionen zu bewahren. Eins darf seither nicht fehlen: das Steinschlagen. „Ein Wettbewerb, bei dem es um den geringsten Aufwand beim fachgerechten Spalten von Feldsteinen geht“, erklärt Eckhard Paepcke. Er hat schon Papier und Stift zur Hand, um zu notieren, wie viele Schläge es braucht, um den Stein zu spalten, den diesmal Christian Gehrke mitgebracht hat. Der Steinmetz aus Neubrandenburg hat ihn aus einer Kiesgrube geholt. „Seine 600 bis 700 Kilo wird er haben“, schätzt er. „Wir haben nicht immer solche großen Steine. Das ist schon eine Herausforderung.“ Und der muss er sich am Ende selbst stellen. Erst einmal werden aber zwölf Bohrungen gesetzt, gut zehn Zentimeter tief, und Keile hinein getrieben. 60 bis 222 Schläge, dann sollte der Stein auseinander gehen, wetten die Teilnehmer des Patronatsfestes. Christian Gehrke selbst rechnet mit 67 Schlägen. Nach dem 60. aber teilt sich der Stein schon, bricht ganz sauber in zwei Hälften. Das bringt  Komplimente von allen Seiten.

Steinespalten, daran gibt es bis heute kein Vorbei. In Schwerin kennen die Steinmetze da genügend Beispiele. Die Stadt ist auf Felsen gebaut, da musste manch Stein inzwischen in „handliche Portionen“ zerlegt werden, weil er beim heutigen Bauen im Wege war. Auch in Teterow musste bei Sanierungsarbeiten im jetzigen „Mietregal“ in der Malchiner Straße ein großer Stein gespalten werden.

Tradition und Moderne paaren sich in der Branche, ebenso Kreativität und Feingefühl. Bau- und Landschaftsgestaltung, Grabmale, Denkmalpflege und Gestaltung, das sind die vier großen Bereiche, in denen Steinmetze zu Hause sind. Mit ihrem Patronatsfest erinnern sie natürlich auch an die Schutzheiligen des Steinmetzhandwerks. Castorius, Claudius, Symphorianus und Nicostratus sind die vier Märtyrer, die sich um das Jahr 300 unter Verweis auf ihren Glauben weigerten, Götterbilder für den Gott Äskulap zu meißeln. Daraufhin ließ sie Kaiser Diokletian mit Stahlgeißeln matern, in Bleisärge einschließen und in den Fluss werfen, erläutert Edwin Rumpel den historischen Hintergrund.