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Dorf soll wieder Flüchtlinge aufnehmen

Die Gemeindevertreter können nur mit dem Kopf schütteln. Denn nach der Schließung des Asylbewerberheims fragt der Kreis nach der Aufnahmewilligkeit des Dorfes. Außerdem steigen durch den Leerstand die Fernwärmekosten.

Dass niemand mehr im Jürgenstorfer Asylbewerberheim wohnt, bringt jetzt für Fernwärmenutzer Mehrkosten mit sich.
Kruse Dass niemand mehr im Jürgenstorfer Asylbewerberheim wohnt, bringt jetzt für Fernwärmenutzer Mehrkosten mit sich.

Eigentlich könnte man denken, dass die Jürgenstorfer längst mit dem Streit-Thema Asylbewerber abgeschlossen haben. Denn seit Ende Juni gibt es hier keine Flüchtlinge mehr. Die zentrale Unterkunft des ehemaligen Landkreises Demmin steht nach den Flüchtlings-Protesten und dem Ministerbeschluss leer. Und es ist etwas ruhiger geworden. Doch nun gibt es für viele Jürgenstorfer eine böse Überraschung. Sie merken auch am eigenen Portemonnaie, dass die Asylbewerber fort sind.

„Das Asylbewerberheim war der größte Abnehmer von Fernwärme“, erläuterte Bürgermeister Günter Schröder. Etwa 17 bis 20 Prozent der gesamten Fernwärme die die Wärmeversorgung Jürgenstorf produzierte, wurden in die Unterkunft geleitet. Und so müssen die Bezieher von Fernwärme seit diesem Monat mit einem erheblichen Anstieg der Heizkosten rechnen. „Die Kosten für Rohre und Leitungen und für die gesamte Unterhaltung müssen auf alle anderen Wärmeabnehmer umgelegt werden“, sagte Schröder.Die Heizkosten würden aber lange nicht um 20 Prozent steigen, betonte Marie-Luise Bartels, Geschäftsführerin der Wärmeversorgung. Eigenheimbesitzer müssten im Schnitt mit zehn Prozent Mehrkosten rechnen. Sie ist sich sicher, dass die Jürgenstorfer Fernwärme aktuell immer noch günstiger ist als das Heizen mit Öl. Mit Gas-Wärme liege man etwa gleichauf.

Die Jürgenstorfer werden aber auch noch auf andere Weise an die fortgezogenen Asylbewerber erinnert. Die Gemeinde wurde vom Landkreis Mecklenburgische Seenplatte gebeten, wieder Flüchtlinge aufzunehmen. Die sollen zwar nicht in die Unterkunft einziehen, aber in den gemeindeeigenen Wohnblock. Doch über diese Anfrage konnten die Gemeindevertreter nur den Kopf schütteln. „In bin strikt dagegen“, sagte Gemeindevertreterin Anke Tiefmann. Erst schließe man das Heim und dann frage man die Gemeinde, ob sie wieder Asylbewerber aufnehmen kann. „Die Schließung war eine totale Fehlentscheidung.“ Auch Norbert Köhler erinnerte daran, dass viele Flüchtlinge bleiben wollten. „Das haben sie sich alles selbst zuzuschreiben“, sagte er in Richtung Land und Landkreis.

Die Diskussion offenbarte, wie verbittert viele Anwohner noch sind. „Mit dem Verfahren der Stilllegung wurde Jürgenstorf in den Dreck getreten“, sagte Bürgermeister Günter Schröder. Besonders der Grundtenor, dass man es niemandem zumuten kann, in Jürgenstorf zu leben, habe die Anwohner getroffen. Dabei gebe es in Jürgenstorf eine Grundschule, einen Kindergarten, eine Turnhalle, Spielplätze und viele Vereine. Wahrscheinlich wird Jürgenstorf aber auch gar keine Wohnung für Asylbewerber frei haben. „Wir haben nur eine leer stehende Wohnung“, sagte Schröder. Aber die sei schon halb vergeben.