Darguner Stadtvertreter sollen entscheiden:

Gedenktafel erhält vorerst Kirchenasyl

9. November: An die Verfolgung der Juden im Dritten Reich wurde in der einstigen Synagoge am Klostersee erinnert. Wo die Gedenktafel für die ermordeten Darguner ihren Platz finden darf, dazu sollen jetzt die Stadtvertreter Stellung beziehen.

Renate Schäfer übergab Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) eine Gedenktafel mit den Namen der acht ermordeten Darguner Juden.
             
Gerald Gräfe Renate Schäfer übergab Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) eine Gedenktafel mit den Namen der acht ermordeten Darguner Juden.  

„Schweigen und Wegschauen ist keine Lösung“, mahnte Dirk Ristau am 9. November. An die 60 Zuhörer vernahmen die Worte des Pastors der Baptisten-Gemeinde in der einstigen jüdischen Synagoge. „Das gottlose Tun in schlimmster Weise“ vor 75 Jahren zur Reichskristallnacht „hat auch Darguner betroffen“, erinnerte der Geistliche. Dem stimmte Renate Schaefer zu. Sie sprach im Namen einiger Darguner „vom dringlichen Anliegen, den Darguner Opfern der Shoah wenigstens wieder einen Namen zu geben – zurück an ihrem alten Heimatort“. Acht Namen von Darguner Juden, welche in der Zeit des Nationalsozialismus umgebracht wurden, stehen auf der Gedenktafel, welche sie Bürgermeister Karl-Heinz Graupmann (Die Linke) überreichte, „zum Gedenken der Toten, als stete Mahnung für die Lebenden, wie es auch auf dem eindrucksvollen Gedenkmonument zu lesen ist, auf dem jüdischen Friedhof bei uns im Wald“. Die kleine Tafel sollte ihren Platz vor der Synagoge, mitten in der Stadt finden, wünscht es sich Renate Schaefer. Das sei auch der Wunsch der Baptisten, so Ristau.

Für Graupmann ist dies Ansinnen gar keine Frage mehr. Mit der Gedenkveranstaltung im alten Bethaus der jüdischen Gemeinde „fordern sie alle Mitbürger auf, sich dieses Tages zu erinnern. Das macht uns Mut, die Stimmen zu erheben“ gegen Fremdenhass und aufkeimenden Faschismus. Er dankte Renate Schaefer, „dass sie uns richtig fordern in der Öffentlichkeit. Sie fordern damit auch viele andere. Ich denke da an die Vertreter der Parteien in unserer Stadtvertretung, nun auch öffentlich Stellung zu beziehen.“

Bis die Parlamentarier entscheiden, ob ein Stein mit der Tafel vor der alten Synagoge aufgestellt werden darf, „geben wir der Gedenktafel Kirchenasyl in unserem Haus“, sprach Pastor Ristau. Der Bürgermeister: „Jetzt kann sich die Stadtvertretung einer Entscheidung nicht mehr entziehen.“ Bis 11. Dezember hatte Graupmann die Mitglieder der Fraktionen gebeten, die Standortfrage für das Denkmal zu diskutieren, „um einen Konsens zu finden“.

 

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