Brisanter Fund:

Hitler ist in Stavenhagen immer noch Ehrenbürger

Bei Recherchen zum Stadtjubiläum ist es jetzt herausgekommen: Die Reuterstadt führt noch immer drei brisante Namen auf ihren Ehrenlisten. Heute Abend wollen die Stadtvertreter endlich reagieren.

Der neue Reichskanzler Adolf Hitler (l) und Reichspräsident Paul von Hindenburg 1933 während der Eröffnungssitzung des neuen Parlaments in der Potsdamer Garnisonkirche.
dpa Der neue Reichskanzler Adolf Hitler (l) und Reichspräsident Paul von Hindenburg 1933 während der Eröffnungssitzung des neuen Parlaments in der Potsdamer Garnisonkirche.

Mit Ehrenbürgerrechten geht die Reuterstadt eigentlich äußerst behutsam um. Erst drei Persönlichkeiten ist seit der Wende diese Ehrung in Stavenhagen zuteil geworden. Und auch was die Eintragungen ins Ehrenbuch zu DDR-Zeiten angeht, ist alles geregelt. „Wir haben bereits vor längerer Zeit beschlossen, dieses Buch zu schließen“, sagt Bärbel Kustos aus der Stadtverwaltung.

Nicht geschlossen hat die Reuterstadt dagegen offenbar die Ehrenbürger-Akte aus der Nazi-Zeit. Ausgerechnet bei Recherchen über die Stadtgeschichte zum 750. Stadtgeburtstag, der im kommenden Jahr in Stavenhagen gefeiert wird, fielen der Direktorin des Fritz-Reuter-Literaturmuseums, Cornelia Nenz, drei Urkunden in die Hände. Die Ehrenbürgerschaften von Adolf Hitler, von Reichspräsident Paul von Hindenburg und vom ehemaligen Reichsstatthalter von Mecklenburg, Friedrich Hildebrandt. Überrascht sei sie über den Fund nicht gewesen, berichtet Cornelia Nenz. Schließlich habe der „Niederdeutsche Beobachter“ seinerzeit über die Verleihung der Ehrenbürgerschaft berichtet. Und in dem Blatt hatte die Museumsdirektorin schon vor einiger Zeit von der Sache gelesen.

Warum hat die Reuterstadt dann aber nicht sofort reagiert? Erklärungsversuche: Bürgermeister Bernd Mahnke (parteilos) ist zur Zeit erkrankt, seine Stellvertreterin war am Mittwoch nicht zu erreichen. „Es gibt doch bei uns in der Stadt kein Buch, in dem alle Ehrenbürger aufgezählt sind“, sagt Hauptamtsleiter Joachim Demske. Und fügt dann noch hinzu, dass mit dem Tod einer Person die Ehrenbürgerschaft doch eigentlich auch erlischt. Nur seltsam, dass von den drei Ehrenbürgern, die die Stadt aktuell aufführt, auch bereits einer verstorben ist.

Nachdem das Landeshauptarchiv bereits zu Beginn des Jahres die drei brisanten Namen preisgegeben hatte, schreitet die Reuterstadt heute Abend zur Tat. Auf der Stadtvertretersitzung sollen Hitler, Hindenburg und Hildebrandt die Ehrenbürgerschaften aberkannt und widerrufen werden. In der Region hatten zuletzt die Städte Gnoien und Güstrow den Namen Friedrich Hildebrandt aus den Ehrenbürgerlisten gestrichen. Hitler taucht in den mecklenburgischen Kleinstädten dagegen eher selten auf. Warum ihn ausgerechnet Stavenhagen zum Ehrenbürger machte, ist unklar.