Reuterstadt wird schrumpfen:

Kleine Sensation: Stavenhagens Einwohnerzahl wächst

Dass eine Stadt in Mecklenburg-Vorpommern keine sinkende Einwohnerzahl hat, ist schon fast eine Sensation. Stavenhagen legte im vergangenen Jahr um 24 Menschen zu. Dieser Trend wird aber wahrscheinlich nur von kurzer Dauer sein. Prognosen malen ein düsteres Bild.

Die Reuterstadt Stavenhagen ragt aus dem Jammertal des rapiden Bevölkerungsschwunds in der Region heraus. Zum ersten Mal seit der Wende wächst die Bevölkerungszahl in der Stadt wieder. Zum Jahresende 2012 konnten den Stadtväter ein Einwohnerplus von 0,4 Prozent verzeichnen. Das bedeutet zwar nur, dass 24 Menschen mehr in Stavenhagen wohnen als im Jahr davor. Aber immerhin stieg die Bevölkerungszahl von 5680 auf 5704 Stavenhagener an.

Doch in der Stadt ist man auch sehr skeptisch, dass dieser positive Trend anhalten wird und die Einwohnerzahl wieder deutlich steigen wird – vielleicht sogar auf 9031 Menschen wie im Wendejahr 1989. Bau- und Ordnungsamtsleiter David Schacht rechnet nicht damit. Zum einen kennt er den Hauptgrund für den starken Zuwachs im Jahr 2012: „In dem Jahr wurden die beiden Senioreneinrichtungen An der Schleife und im Lindenschlösschen eröffnet“, sagt er. Dadurch seien viele ältere Bürger von außerhalb nach Stavenhagen gezogen. Doch leider kann ein Seniorenzuwachs keinen dauerhaften Einwohnerzuwachs in der Stadt bringen. Dafür können nur junge Erwachsene sorgen.

Zum anderen hat David Schacht und die Stadtverwaltung jetzt Zahlen und Einschätzungen vor Augen, wie sich die Einwohnerzahl bis zum Jahr 2027 entwickeln wird. Das ist in einer gerade vorgelegten Fortschreibung des Integrierten Stadtentwicklungsprogramms (ISEK) nachzulesen. Darin geht die Reuterstadt von einem weiteren starken Schrumpfen der Bevölkerungszahl aus. Bis 2027 könnten nach drei Szenarien 5237, 5018 oder gar nur 4805 Bürgerinnen und Bürger in Stavenhagen wohnen. Das würde bedeuten, dass die Stadt um weitere 8, 12 oder 15 Prozent schrumpft. Nach dem Papier scheint ein weiteres Sinken der Einwohnerzahl nicht zu verhindern zu sein. Denn noch immer ist kein Ende abzusehen, dass Menschen in Größenordnungen fortziehen, weil sie Arbeits- und Lehrstellen suchen. Dieser Trend flacht sich erst langsam in Stavenhagen ab.

 

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