Eine besondere Facharbeit:

Malchiner Gymnasiastin stellt ihre Kunst aus

Laura Korrmann bekommt auch am Wochenende Noten. Lehrer bewerten ihre Kunstausstellung in Gessin. Doch die Zensuren bleiben noch geheim.

Laura Korrmann ist auch der Frage nachgegangen, wieso der Schrei schreit. Der Blick durch die Augen von Edvard Munchs schreiendem Mann gibt eine Antwort. Foto: Eckhard Kruse
Eckhard Kruse Laura Korrmann ist auch der Frage nachgegangen, wieso der Schrei schreit. Der Blick durch die Augen von Edvard Munchs schreiendem Mann gibt eine Antwort. Foto: Eckhard Kruse

Schule am Wochenende? Das gibt es sonst eigentlich nicht am Fritz-Greve-Gymnasium Malchin. Am Sonnabend ist das ein klein wenig anders. Zwei Kunstlehrerinnen wollen um 18 Uhr Zensuren vergeben. Sie mischen sich unter rund 25 Gäste, die zu einer Ausstellungseröffnung ins Gessiner Dorfhaus des Mittelhofvereins gekommen sind. Anne Willmann und Eike Behrend lauschen den Worten ihrer Schülerin Laura Korrmann, die mit gerade einmal 17 Jahren ihre erste Ausstellung eröffnet und Innenarchitektin werden will.

Dass Laura Korrmann dabei unheimlich aufgeregt ist, versteht sich von selbst. Trotz allem: Sie meistert die Führung souverän und macht die Vernissage-Gäste damit vertraut, was hinter ihren Ideen für die Konzeptkunst-Ausstellung steckt. Einen Luftballon beschreibt sie zum Beispiel mit Politikerversprechen. Und wie der Zufall so spielt, verliert er über Nacht seine runde Gestalt und macht damit für jedermann sichtbar, was die Schülerin aus Basedow meint: Dass Politikerversprechen meist nur Luftblasen sind.

Wieso schreit der Mann auf dem Edvard-Munch-Bild „Der Schrei“?, fragt sich Laura. Sie malt das Bild auf ihre Weise nach und lässt die Besucher durch die Augen des Mannes blicken. Und siehe da: Der Mann schreit wegen eines verendeten Vogels mit vielen Plastik-Abfällen im Magen.

Auch wenn sie gern in der Schule malt, als Malerin sieht sich Laura Korrmann nicht. „Im Laufe des Jahres habe ich gemerkt, dass Konzept-Kunst mein Ding ist“, erläutert sie. Sie liebt es, Kunst zu entwerfen, über die Menschen nachdenken müssen und am Ende einen Aha-Effekt haben. Weitere Beispiele dafür sind Fliegen mit Uhrenkörpern mit dem Titel „How time flies“ - Wie doch die Zeit verfliegt – oder das begehbare Kunstwerk „Lebensweiß“ mit vielen Versen, die zum Nachdenken anregen.

In dem Jahr, in dem Laura die Ausstellung vorbereitet, hat sie eines gelernt: Es bringt nichts, sich hinzusetzen und auf gute Ideen zu warten. „Die kommen meistens spontan.“ Auch im Matheunterricht. Danach konstruiert sie ein verbogenes Viereck, das von sich behauptet, ein Rechteck zu sein. Und tatsächlich: Wer in den Spiegel an der Decke schaut, findet die Bestätigung. Laura hat auch hier einen sinnhaften Vergleich gefunden: „Eigen- und Fremdwahrnehmung können sehr auseinanderdriften“, erläutert sie ihren Gedanken.

Eine Frage bleibt allerdings noch offen: Wieso organisiert eine Schülerin der 12. Klasse eine Ausstellung für die Schule? „Es ist meine Facharbeit im Fach Kunst“, erzählt Laura Korrmann. Die läuft über ein ganzes Schuljahr und kann deswegen auch als Abitur-Prüfung gewertet werden.

Facharbeiten, bei dem die Schüler das wissenschaftliche oder künstlerische Arbeiten lernen, sind für die Lehrerinnen Anne Willmann und Eike Behrend nichts Ungewöhnliches. Denn sie gehören zum Schulalltag. Doch eine Kunstausstellung ist auch für sie Neuland. „Im Fach Kunst ist das die erste Ausstellung zu einer Facharbeit“, sagt Anne Willmann. Doch in die Karten schauen lassen dürfen sich die Lehrerinnen am Abend nicht. Schließlich soll die Benotung geheim bleiben.

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