Handwerkliches in der Schule:

Nadelarbeit: Erst im zweiten Jahr kommt die Nähmaschine ins Spiel

Das Förderzentrum führt eine Tradition weiter. Die Kinder lernen viel Praktisches für ihr Leben.

Diana ist fast fertig mit ihrem Nadelbuch.
Eckhard Kruse Diana ist fast fertig mit ihrem Nadelbuch.

 „Autsch!“ Beim Nähen und Sticken kann es auch mal ein bisschen weh tun. Toni aus Klasse 5 der Lindenschule Malchin hat diese unliebsame Erfahrung schon einmal gemacht. Als er beim Knopfannähen die Nadel durch den Stoff stach, kam sie an der anderen Seite nicht ganz da heraus, wo er dachte. Und schon pikste es im Finger. Die anderen fünf aus seiner Nadelarbeitsgruppe hatten in den ersten Wochen mit dem neuen Fach noch Glück. Aber wer weiß, wie lange noch?

Nadelarbeit gibt es im Förderzentrum Lindenschule in Klasse 5 und 6, erläutert Lehrerin Kerstin Bobzin. Im ersten Jahr arbeiten die Kinder richtig mit Nadel und Faden, im zweiten Jahr kommt die Nähmaschine ins Spiel. Die Mädchen und Jungen lernen alle Arten von Stichen und alle Knopftechniken kennen. Sie lernen zu häkeln, zu stricken, zu flechten und zu knüpfen. Sie fertigen Stickbilder, sie nähen Reißverschlüsse, Haken und auch Ösen an.

Kerstin Bobzin ist eigentlich Lehrerin für Deutsch, Mathematik und Musik. Aber sie ist auch im Fach Nadelarbeit genau an der richtigen Stelle. „Ich hatte zu Hause vier Geschwister“, erzählt sie.

Weil die Eltern beide arbeiten waren, musste sie schon früh viele Handarbeiten übernehmen. Für ihre Geschwister hat sie gehäkelt, gestrickt, gestickt, Sachen ausgebessert und Strümpfe gestopft. Deswegen beherrscht sie das alles. „Und ich mache es gerne“, sagt sie. Mit dem Wort „stopfen“ können zwar noch nicht alle Kinder etwas anfangen. Aber Diana, Pia-Chantal, Lukas, Philipp, Niklas-Maximilian und Toni lassen keinen Zweifel daran, dass ihnen das Fach genauso viel Spaß macht wie ihrer Lehrerin. Die Kinder sind mit Eifer bei der Sache. Und ihr erstes Projekt – die Topflappen – haben sie so gut wie fertig. Zwei Stoffhälften nähten sie mit einem Heftstich zusammen. Mit dem Langettenstich umrandeten sie die Topflappen. Drei Knöpfe setzten sie als Augen und Nase. Ein Filzstreifen bildet den Mund. Und dann kommt noch der etwas schwierig zu fertigende Henkel dazu. Wer fertig ist, fängt mit einem Nadelbuch an, in dem die Nadeln aufbewahrt werden.

Wer Hilfe braucht, stellt sich bei Kerstin Bobzin an. Sie strahlt viel Ruhe aus und zeigt den Mädchen und Jungen, wie die Nadel richtig gesetzt oder wie der Stich genäht wird. Sie lobt die Kinder, wenn die Fäden nicht unter dem Knopf herausschauen. Sie gibt Hinweise und ermuntert die Fünftklässler, es noch einmal zu versuchen.

Das Fach Nadelarbeit gibt es an der Lindenschule schon immer. Seit 1980 ist auch Kerstin Bobzin dabei. Doch den Nadelarbeits-Unterricht hat sie erst im vergangenen Jahr übernommen, so dass es nun wieder drei Handarbeits-Lehrerinnen gibt. „In der DDR war dieser Unterricht üblich“, weiß Kerstin Bobzin. Heute gebe es Nadelarbeit an den meisten Grundschulen nicht mehr. Leider, meint sie.

„Unser Ziel ist es, die Kinder lebenspraktisch auszubilden“, erläutert Kerstin Bobzin. Sie lernen, sparsam mit Dingen umzugehen und nicht alles wegzuwerfen. Das große Ziel ist es, dass die Mädchen und Jungen später im Leben zurechtkommen. Dass das Wirklichkeit wird, daran hat bestimmt auch der Hauswirtschaftsunterricht ab Klasse 7 seinen Anteil. „Der ist immer eines der Lieblingsfächer der Schüler“, weiß Kerstin Bobzin.

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