Netzausbau:

Sonnenstrom in Warteschleife

Satte Erlöse garantiert das Gesetz den Erzeugern von Strom aus regenerativen Quellen. Das weckt Begehrlichkeiten. Mancherorts aber stehen Anlagen monatelang im Leerlauf, weil sie  nicht ans Stromnetz kommen.

 Zügig voran schreitet in der Region der Ausbau regenerativer Energieanlagen. Bei Rensow wächst ein Windpark gen Himmel, weitere Anlagen sind bei Jördenstorf und Gnoien geplant. Der Stromnetzbereiber Edis rüstet technisch auf. Derzeit wird das Umspannwerk in Dölitz ausgebaut. Hier sollen künftig 165 Megawatt von Windrädern in das 110 kV-Hochspannungsnetz eingespeist werden, ist von Firmensprecher Michael Elsholtz  zu erfahren.

Während diese Zukunftspläne langsam Gestalt annehmen, hat die Stadt Gnoien bereits den ersten Ertrag von der Solaranlage vor ihren Toren verbucht. 20 200 Euro flossen der Stadtkasse zu. Grund zur Freude, wenngleich Stadtvertreter Zweifel hegen, ob die Anlage wirklich schon am Netz ist und Strom liefert. Das weiß auch Bürgermeister Hans-Georg Schörner nicht zu sagen. Dass ein großer Nachholebedarf im Netzausbau besteht, betrifft längst nicht nur den Ausbau von Hochspannungstrassen, um Windstrom von den Küsten in die Industriegebiete tief im Binnenland zu bringen. Das Dilemma beginnt vor der Haustür. So lag der Solarpark Thürkow gut ein Jahr betriebsbereit in der Warteschleife, da der Anschluss ans Netz fehlte.

Von etlichen Investoren würden die technischen Anforderungen leider unterschätzt, macht Elsholtz geltend. Mancher gehe schlicht davon aus, dass es ja eine Leitung in der Nähe gebe oder einen Transformator und nur ein paar hundert Meter Kabel zu verlegen sind, um den Sonnenstrom an die Abnehmer zu bringen. Falsch gedacht, meint Elsholtz. Es gebe wegen des stark schwankenden Verhältnisses von Einspeisung und Entnahme elektrischer Energie erhebliche Abstimmungsprobleme.

Die Einspeisepunkte müssten deshalb sehr sorgfältig ausgewählt werden. Damit nicht genug. Der Netzbetreiber braucht, bevor eine neue Leitung gebaut werden kann, die Zustimmung der Grundstückseigner, über deren Boden die Trasse führen soll. Das kann in Einzelfällen zu schwierigen Verhandlungen führen, werden zum Beispiel exorbitante Forderungen bei der Vergütung der Durchleitungsrechte erhoben. Elsholtz räumt ein, dass die Investoren von Windparks nicht ohne Schuld seien. Preise von 50 000 Euro für den Standort eines Windrades beflügelten die Fantasie, eben auch bei den Leitungsrechten mehr rauszuschlagen.

Andererseits habe der Gesetzgeber auch Grenzen gezogen. Hartnäckige Verweigerer könnten enteignet werden, zeigt Elsholtz auf. Allerdings kosteten solche juristischen Auseinandersetzungen viel Zeit.

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